Ernst Ludwig Kirchner auf Fehmarn

Die Wulfen-Tour: mit dem Fahrrad auf Kirchners Spuren ab Burgtiefe

Ein Hafen voller Linien, ein Hügel über dem Meer und dazwischen die Frage: Wie wird aus einer Landschaft ein Bild? Auf dieser Runde kannst du genau das entdecken. Du besuchst die Kirchner-Dokumentation in Burg, radelst zum Wulfener Berg und hältst dort an, wo der Künstler Motive für seine Arbeiten fand. Unterwegs wechseln sich Kunst, Küste und kleine Pausen am Wasser ab.

Von Burgtiefe aus lässt sich die rund 19 Kilometer lange Wulfen-Tour als Rundfahrt beginnen. Über Neue Tiefe geht es nach Burg, anschließend nach Wulfen und über den Deich nach Burgstaaken; am Burger Binnensee entlang kommst du zurück zum Südstrand. Mit Ausstellung, Aussichtspausen und einer Einkehr wird daraus ein entspannter halber Urlaubstag. Kunsthistorisches Vorwissen brauchst du dafür nicht, ein wenig Neugier reicht.

An der Wulfener Steilküste kommt noch etwas dazu, das mit Kirchner nichts zu tun hat und trotzdem zum Besten dieser Runde gehört: eine der größten Uferschwalbenkolonien Schleswig-Holsteins.

Dies ist die kürzeste der sieben Touren. Alle Runden und was Fehmarn zum Radfahren ausmacht, stehen auf Fahrradtouren auf Fehmarn; die Steilküstentour erklärt die Kliffs, an denen die Schwalben brüten.

Karte der Insel Fehmarn mit der Kirchner-Radtour. Start und Ziel liegen am Südstrand in Burgtiefe, die kurze Runde bleibt im Inselsüden zwischen Burg, Wulfen und Burgstaaken.
Die kürzeste der Touren: neunzehn Kilometer im Inselsüden, und der Südstrand liegt mitten darauf.

Die Radtour ab Burgtiefe auf einen Blick

  • Start und Ziel: Burgtiefe, bei der ehemaligen Seenotrettungsstation an der Westmole
  • Länge: 19,0 km laut Komoot. Burgtiefe liegt auf der Runde, deshalb bleibt die Strecke auch mit diesem Einstieg ungefähr gleich.
  • Fahrzeit und Anstieg: 1:25 Stunden und 50 Höhenmeter laut Komoot
  • Zeit mit Besichtigungen: etwa 3 bis 5 Stunden als Planungsvorschlag, gemütliche reine Fahrzeit ungefähr 1½ bis 2 Stunden
  • Untergrund: Asphalt, Kies, Kopfsteinpflaster und einzelne lose Abschnitte
  • Charakter: kurze Kulturrunde mit Küstenwegen, Ortsdurchfahrten und einer kleinen Steigung am Wulfener Berg
  • Passendes Fahrrad: Trekkingrad oder anderes alltagstaugliches Rad mit griffigen Reifen; ein E-Bike ist möglich, aber keine Voraussetzung

Burgtiefe gehört bereits zur Originaltour: Die Runde läuft keine hundert Meter an den Wohnungen vorbei. Du verlegst also nur den Einstieg und fährst in derselben Reihenfolge weiter. Zur Orientierung: Wulfen-Tour bei Komoot. Die 19 Kilometer sind kein neu vermessener Kurs ab jeder Ferienwohnung; Zu- und Abfahrten sowie die Abstecher kommen hinzu.

Die Stationen deiner Tour

1. Von Burgtiefe über Neue Tiefe nach Burg

Starte am Südstrand und fahre zunächst über Neue Tiefe nach Burg. Den Motivstandort an der ehemaligen Seenotrettungsstation kannst du dir für die Rückkehr aufheben. So beginnt der Ausflug mit den Bildern in der Ausstellung und endet mit einem Blick auf die Landschaft, die dahintersteht.

Plane die Ankunft in Burg nach den Besuchszeiten der Dokumentation; ein Start am Vormittag passt an vielen Werktagen gut. Die Runde lässt sich auch ohne Ausstellungsbesuch fahren, denn mit den Bildtafeln unterwegs bleibt der Bezug zu Kirchner erhalten.

2. Die Dokumentation über Kirchner in Burg

In der Bahnhofstraße 47 befindet sich die Ernst-Ludwig-Kirchner-Dokumentation im Obergeschoss der Stadtbücherei. Zu sehen sind Reproduktionen von Fehmarnbildern in Originalgröße, historische Fotografien sowie Kopien von Postkarten und Skizzenbuchseiten. Sie geben einen anschaulichen Einstieg in Kirchners Inselzeit.

Für den Besuch kannst du etwa 30 bis 60 Minuten einplanen. Such dir zwei oder drei Arbeiten aus, deren Linien, Farben oder Motive du dir merken möchtest. Vielleicht sind es die schrägen Formen einer Küste, vielleicht die Masten im Hafen. Mit solchen Bildern im Kopf schaust du auf der anschließenden Fahrt genauer hin.

Besuchszeiten vorher nachsehen. Der Zugang richtet sich nach den Zeiten der Bücherei, und im Sommer gibt es zusätzlich kostenlose Sonntagsführungen. Welche Zeiten gerade gelten, steht beim Kirchner-Verein; besonders für Wochenenden und Feiertage lohnt der Blick vor der Abfahrt. Eine Zahl an dieser Stelle wäre nach einer Saison vielleicht falsch, und neunzehn Kilometer umsonst sind ärgerlich.

Ein Kunstabstecher innerhalb Burgs. An der Außenwand des Filmtheaters in der Breiten Straße 13a hängen großformatige Rekonstruktionen von Kirchners „Badenden“. Die ursprünglichen Wandbilder entstanden 1916 im Sanatorium Dr. Kohnstamm in Königstein im Taunus; darin griff Kirchner Erinnerungen an seine Fehmarnaufenthalte auf. Die Originale wurden in der NS-Zeit zerstört, historische Farbfotografien ermöglichten später die Rekonstruktion, und seit 2023 sind die Tafeln am Burger Kino zu sehen. Rechne mit 10 bis 20 Minuten zusätzlich.

Wer die Stadt lieber zu Fuß erkundet: Der Spaziergang durch Burg verbindet die Badenden am Filmtheater mit Kirche, Museum und der Kirchner-Dokumentation.

3. Wulfen und der weite Blick vom Wulfener Berg

Von Burg führt dich die Runde hinaus nach Wulfen. Die Häuser weichen Feldern, der Blick wird weiter, und am Wulfener Berg bekommt die sonst so flache Insel plötzlich eine erkennbare Höhe. Die Tourenbeschreibung nennt den Aussichtspunkt auch Bergmühle. Hier lohnt sich die erste längere Pause draußen, mit Aussicht über den Fehmarnsund und auf die Fehmarnsundbrücke.

Dabei fällt ein Unterschied zu Kirchners Zeit sofort auf: Die Brücke verbindet Fehmarn erst seit 1963 mit dem Festland, bei seinen Aufenthalten stand sie noch nicht. Stell dir den Blick einmal ohne den großen Bogen vor. Schon dieser kleine Gedankenschritt zeigt, wie sich eine vertraute Landschaft innerhalb weniger Generationen verändert.

Wer einen kurzen zusätzlichen Spaziergang einbauen möchte, findet am Wulfener Berg die Nachbildung eines steinzeitlichen Langbettgrabs. Sie erinnert an die frühen Großsteingräber dieser Gegend. Es ist eine Rekonstruktion und ein eigener Abstecher; für die Kirchner-Runde musst du ihn nicht einplanen.

4. Ein Abstecher an die Wulfener Steilküste

Auch der Abstecher zur Steilküste lohnt sich. Stell das Rad an geeigneter Stelle ab und geh auf den freigegebenen Wegen ein Stück zu Fuß weiter. Betrachte die verschiedenen Ebenen der Landschaft: oben das Land, darunter das Ufer, dahinter die bewegte Wasserfläche.

Eine kleine Aufgabe für die Pause: Such drei Linien, die du zeichnen würdest. Wo verläuft die Küste, wo beginnt der Himmel, wo unterbricht ein Stein die Fläche? Halte den Eindruck mit wenigen Strichen im Notizbuch fest. Bleib dabei auf den freigegebenen Wegen und halte Abstand zur Abbruchkante.

In der Wand steckt außerdem eine Kolonie von Uferschwalben, und von Mai bis in den August hinein ist dort ordentlich Betrieb. Was es damit auf sich hat und wie du dich dabei verhältst, steht gleich unten unter Die Uferschwalben in der Wulfener Wand.

5. Wulfener Weg und Deich am Burger Binnensee

Zurück durch Wulfen erreichst du den Abschnitt zum Deich. Ein kurzes Stück im Wulfener Weg liegt der Motivstandort der Zeichnung „Fehmarnlandschaft mit Pferden“ mit dem Blick zum Wulfener Berg. Die gerade durchfahrene Landschaft wird hier zum Bildmotiv.

Vergleiche die Geländeformen und die Blickrichtung, ohne nach einer vollständig unveränderten Szene zu suchen. Pferde stehen heute nicht zwangsläufig an derselben Stelle, Felder werden anders genutzt, und Wege verändern sich. Anschließend führt die Route über den Deich weiter nach Burgstaaken. Auf dem offenen Abschnitt bestimmt der Wind mit, wie leicht die Fahrt fällt; lass dir Zeit für den Blick über den Burger Binnensee.

6. Burgstaaken und Kirchners Hafenbilder

Burgstaaken ist für diese Tour mehr als ein Platz zum Einkehren. 1908 kam Kirchner bei seiner ersten Fehmarnreise hier mit dem Schiff aus Lübeck an; der Hafen war damit einer seiner ersten Eindrücke von der Insel.

Arbeiten wie „Hafen Burgstaaken“ und „Bootshafen auf Fehmarn“ verknüpfen diesen Ort mit seinem Werk. Vor dem Restaurant „Zum Goldenen Anker“ weist eine Tafel auf die Gemälde hin. Nimm dir einen Moment für den Vergleich: Welche Formen prägen den Hafen heute? Achte auf Masten, Schiffsrümpfe, Gebäude und ihre Spiegelungen.

Für eine längere Mittagspause bietet sich der Goldene Anker an; er liegt direkt im Hafen, und von der Terrasse geht der Blick auf das Wasser. Wenn du lieber ein mitgebrachtes Brötchen isst, such dir am öffentlich zugänglichen Hafenrand einen geeigneten Platz und halte Arbeitsbereiche und Zufahrten frei. Was es sonst in Burgstaaken gibt, steht auf der Hafentour.

7. Am Burger Binnensee zurück nach Burgtiefe

Die Rückfahrt führt am nördlichen Ufer des Burger Binnensees entlang nach Burgtiefe. Hier schließt sich die Runde. Bei der ehemaligen Seenotrettungsstation an der Westmole liegt der Motivstandort zu „Fehmarnsund“, ebenfalls mit einer Hinweistafel. Nach den Feldern bei Wulfen und dem Hafen Burgstaaken setzt dieser letzte Stopp noch einmal das Wasser in den Mittelpunkt.

Zum Café an der Westmole: In älteren Tourenbeschreibungen heißt es Café Sorgenfrei, in der aktuellen Beschreibung von Fehmarn Tourismus Chillaz. Orientiere dich deshalb am Standort der ehemaligen Seenotrettungsstation und nicht am Namen; welche Zeiten gelten, prüfst du am besten kurz vorher.

Vielleicht fällt dir beim letzten Blick aufs Wasser eine Farbe auf, die du morgens übersehen hättest. Oder du erkennst eine Linie aus einem Bild in Burg wieder. Anschließend ist der Weg zurück in die Ferienwohnung kurz.

Die Uferschwalben in der Wulfener Wand

Wenn du im Frühsommer an der Wulfener Steilküste stehst, fällt dir zuerst das Geräusch auf: ein trockenes Schwirren, dazu Dutzende kleine Vögel, die in schnellen Bögen vor der Sandwand hin und her schießen und nacheinander in Löchern verschwinden. Das ist eine Kolonie von Uferschwalben, und sie ist der Grund, warum diese Wand weit über Fehmarn hinaus bekannt ist.

Die Uferschwalbe ist die kleinste der europäischen Schwalben, braun oben, weiß unten, mit einem braunen Band quer über der Brust. Sie baut kein Nest aus Lehm unter einem Dach wie ihre bekannteren Verwandten, sondern gräbt sich eine Röhre: bis zu etwa siebzig Zentimeter waagerecht in eine senkrechte Sand- oder Lehmwand, mit einer Nestkammer am Ende. Dafür braucht sie Wand, die steil ist, nicht bewachsen und nicht zu fest.

Warum ausgerechnet hier

Nach Angaben von Fehmarn Tourismus bietet die Wulfener Steilküste jährlich 500 bis 2000 Brutpaaren Platz und ist damit die zweitgrößte Uferschwalbenkolonie Schleswig-Holsteins; die größte liegt am Brodtener Ufer bei Travemünde. Für eine Art, deren natürliche Brutplätze selten geworden sind, ist das viel.

Selten geworden sind sie aus einem einfachen Grund: Senkrechte, frische Sandwände entstehen in der Natur dort, wo Wasser an Land arbeitet. An den Flüssen ist das weitgehend vorbei, weil Ufer begradigt und befestigt wurden, und auch Steilküsten werden vielerorts gesichert. Eine Wand, die nicht mehr abbricht, wächst binnen weniger Jahre zu und ist als Brutplatz wertlos. Deshalb brütet ein großer Teil der deutschen Uferschwalben heute in Sand- und Kiesgruben, also in Abbaustellen, deren Fortbestand niemand garantieren kann.

Der Abbruch, der beides ist

Bei der Sturmflut vom 20. und 21. Oktober 2023 ging an der Steilküste neben dem Campingplatz ein großes Stück Wand ab; Presseberichte aus den Tagen danach sprachen davon, die Kolonie sei verschwunden. Inzwischen sind die Schwalben wieder da. Das ist keine Meldung aus einer Zeitung, sondern meine eigene Beobachtung vor Ort.

Genau darin liegt der Zusammenhang, der diese Wand so besonders macht. Ein Abbruch nimmt Röhren mit, und wenn er zur falschen Zeit kommt, auch Bruten. Aber nur eine Küste, die abbricht, stellt im nächsten Frühjahr wieder frische, senkrechte, unbewachsene Wand bereit. Dieselbe Kraft, die zerstört, ist die, die den Lebensraum überhaupt herstellt. Wie das geologisch funktioniert, steht auf der Steilküstentour.

Wann sie da sind

  • Ende April bis Mitte Mai: Ankunft aus den Winterquartieren südlich der Sahara. Die Vögel legen dabei mehrere tausend Kilometer zurück.
  • Mai bis Juli: Brutzeit. Vier bis sieben Eier, nach gut zwei Wochen schlüpfen die Jungen, nach rund drei weiteren sind sie flügge. Oft folgt eine zweite Brut.
  • Ende Juli bis Anfang August: Die letzten Jungen verlassen die Röhren. Das ist die lebhafteste Zeit an der Wand.
  • August bis Ende September: Abzug nach Süden. Danach bleiben die Löcher leer zurück, bis der nächste Winter einen Teil von ihnen abräumt.

Für die Tour heißt das: Zwischen Mai und Anfang August siehst du Betrieb, im Juni und Juli am meisten. Im Oktober stehst du vor einer stillen Wand mit vielen Löchern, was auf seine Art auch sehenswert ist.

Wie du dich verhältst

  • Abstand halten, unten wie oben. Nicht direkt an die Wand herangehen, nicht hinaufklettern, und oben Abstand zur Kante. Das schützt die Brut und dich selbst, denn die Wand bricht, das ist ihr Beruf.
  • Fernglas statt Nähe. Aus zwanzig, dreißig Metern siehst du mehr als von direkt davor, weil die Vögel dann weiter anfliegen statt auszuweichen.
  • Keine Drohne. Ein Fluggerät vor einer Brutwand ist für die Kolonie ein Greifvogel.
  • Mit dem Rad kommen. Der Parkplatz an der Bargmöhl ist klein; an einem Sommertag ist das Fahrrad ohnehin die bessere Entscheidung.

Die Uferschwalbe ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Während der Brutzeit gilt das auch für die Brutstätte selbst: Sie darf nicht beschädigt und die Tiere dürfen dort nicht erheblich gestört werden. In der Praxis ist das keine große Auflage, sondern genau das, was man ohnehin tut, wenn man ein paar Minuten ruhig zusieht.

Kirchners vier Aufenthalte auf Fehmarn

Ernst Ludwig Kirchner wurde 1880 in Aschaffenburg geboren und gehörte 1905 in Dresden zu den Gründern der Künstlergruppe „Brücke“. Er arbeitete als Maler, Zeichner, Druckgrafiker, Bildhauer und Fotograf. Fehmarns Küste wurde für ihn zu einem wichtigen Ort der Suche nach einem freien Leben in enger Verbindung mit der Natur.

  • 1908. Erste Reise mit Emy und Hans Frisch. Quartier in der Villa „Port Arthur“ zwischen Burg und Burgstaaken.
  • 1912. Rückkehr mit seiner Partnerin Erna Schilling. Unterkunft bei der Familie des Leuchtturmwärters Lüthmann in Staberhuk.
  • 1913. Erneuter Aufenthalt in Staberhuk. Landschaft, Badende und das Zusammensein mit anderen Künstlern prägen den Sommer.
  • 1914. Letzter Inselaufenthalt. Der Beginn des Ersten Weltkriegs führt zur Abreise; Kirchner kehrt nicht mehr nach Fehmarn zurück.

Die vier Aufenthaltsjahre erklären, warum dir auf Fehmarn so viele unterschiedliche Kirchner-Motive begegnen. Die Inselzeit war eine intensive Arbeitsphase, keine durchgehende Ansiedlung von 1908 bis 1914.

Wie ein gestrandetes Schiff zu Kunst wurde

Eine besondere Episode überliefert der Kirchner-Verein: Vor Staberhuk lag der 1912 gestrandete Schoner „Marie“. Kirchner nutzte Eichenholz des Wracks zum Schnitzen. Die Küste lieferte ihm damit nicht nur Bildmotive, sondern auch Material für plastische Arbeiten. Die Geschichte gehört zu seinen Aufenthalten in Staberhuk und nicht zu einem Wrack an der Wulfen-Runde.

Der Leuchtturm Staberhuk und das damalige Quartier liegen außerhalb dieser Runde. Wenn dich Kirchners Inselzeit weiter interessiert, plane dafür einen eigenen Ausflug; es gibt dort auch eine ausgewiesene Kirchner-Wanderung.

Kirchners Malerei unterwegs besser verstehen

Kirchner gehört zu den bedeutenden Vertretern des Expressionismus. Seine Fehmarnbilder zeigen, wie aus einer beobachteten Landschaft eine persönliche Bildsprache wird: Farben, Linien und die Anordnung der Formen verstärken den Eindruck eines Ortes. Drei Beispiele helfen dir, bei der Radtour genauer hinzusehen.

Eine Küste kann im Bild in Bewegung geraten

In „Bucht an der Fehmarnküste“ von 1913 formt Kirchner den Küstenverlauf zu einer ausgeprägten Kurve; selbst der Horizont erscheint gebogen. Das Städel Museum beschreibt diese dynamische Gestaltung ausdrücklich. Das Gemälde bezieht sich auf die Küste bei Staberhuk und ist deshalb ein Vergleich für Kirchners Malweise, kein gesicherter Motivstandort dieser Runde.

Später am Meer kannst du überlegen: Welche Linie würde ich betonen, wenn ich das Gefühl dieses Ortes zeigen wollte? Die Frage ist eine Anregung für den eigenen Blick, keine Aufgabe mit richtiger Lösung.

Wenige Striche können eine ganze Szene tragen

Die Bleistiftzeichnung „Vier Figuren am Strand von Fehmarn“ von 1912 hält Körper und Bewegung mit wenigen markanten Linien fest. In den Küstenarbeiten gehören Menschen, Steine, Dünen und Wasser häufig eng zusammen; Kirchners Interesse an einer Verbindung von Mensch und Natur lässt sich daran gut erkennen.

Für deine eigene kleine Skizze darf deshalb vieles fehlen. Versuch, einen Eindruck in einer Minute festzuhalten: die Richtung eines Bootes, eine Körperhaltung oder den Schwung eines Ufers. Gerade die Beschränkung auf wenige Striche macht deutlich, was dir zuerst aufgefallen ist.

Ein Fehmarnmotiv musste nicht auf Fehmarn fertig werden

Neben Gemälden und Zeichnungen entstanden Druckgrafiken. Bei der Farblithografie „Drei Badende an Steinen, Fehmarn“ von 1913 vermutet das Städel Museum, dass Kirchner eine Zeichnung erst später in Berlin in den Druck übertrug; auf Fehmarn stand ihm demnach kein Lithografiestein zur Verfügung. Beobachtung vor Ort und spätere Arbeit im Atelier konnten also zusammengehören.

Die Tafeln unterwegs verbinden Landschaft und Kunstwerk. Dass die genaue Ausarbeitung eines Bildes sich über den Aufenthalt hinaus fortsetzen konnte, macht den Vergleich mit dem heutigen Ort eher interessanter als weniger interessant.

Pausenplätze für deinen Radtag

  • Burg, 30 bis 60 Minuten. Die Dokumentation besuchen und bei Bedarf danach eine Pause in der Innenstadt einlegen.
  • Wulfener Berg, 15 bis 25 Minuten. Trinkpause und Aussicht, ein kleines Picknick auf einer zugänglichen Fläche, ohne Felder zu betreten.
  • Wulfener Küste, 15 bis 30 Minuten. Kurzer Spaziergang, ein Blick auf die Schwalbenwand und eine Zeichnung oder ein Foto als Erinnerung.
  • Burgstaaken, 30 bis 60 Minuten. Mittagspause im Goldenen Anker oder eigener Proviant an geeigneter Stelle am Hafen.
  • Burgtiefe, 20 bis 45 Minuten. Motivtafel an der ehemaligen Seenotrettungsstation und eine abschließende Pause an der Westmole.

Die Zeiten sind Vorschläge, keine festen Etappen; wähl die Stopps, auf die du Lust hast. Wasser und ein kleiner Snack sind sinnvoll, dann kannst du auch dann entspannt pausieren, wenn ein Café gerade geschlossen hat.

So planst du Ausstellung und Radtour zusammen

Ein möglicher Ablauf an einem Werktag: am Vormittag von Burgtiefe nach Burg, etwa eine Dreiviertelstunde in der Dokumentation, anschließend über Wulfen und den Deich nach Burgstaaken, nach einer Mittagspause zurück zum Südstrand. Sieh zuerst die Besuchszeiten der Ausstellung nach und leg danach deine Startzeit fest, nicht umgekehrt.

Für die kurzen Anstiege und wechselnden Untergründe hilft ein Rad, auf dem du sicher unterwegs bist. Bei Gegenwind braucht auch eine flache Runde mehr Kraft, und nasser Kies oder lose Passagen machen langsamer. Speichere die Route vor dem Start auf dem Handy. Mit Kindern sind wenige bewusst gewählte Stopps meist angenehmer als ein dichtes Besichtigungsprogramm.

Häufige Fragen zur Radtour auf Kirchners Spuren

Wie lang ist die Kirchner-Runde ab Burgtiefe?

19 Kilometer. Die Wulfen-Runde führt bereits durch Burgtiefe, deshalb bleibt die Distanz mit diesem Einstieg ungefähr gleich. Die Wege von deiner Unterkunft sowie Abstecher zum Filmtheater, zum Langbettgrab oder an die Steilküste kommen hinzu.

Wo ist die Ausstellung über Kirchner in Burg?

In der Stadtbücherei, Bahnhofstraße 47, im Obergeschoss. Sie zeigt Reproduktionen, Fotografien und weiteres dokumentarisches Material. Den Besuch richtest du nach den aktuellen Büchereizeiten beziehungsweise den angekündigten Führungen aus.

Wann sind die Uferschwalben an der Wulfener Steilküste?

Von Ende April oder Mitte Mai bis in den September. Am meisten los ist im Juni und Juli, wenn die Jungen in den Röhren sitzen. Im Winterhalbjahr siehst du nur die Löcher in der Wand.

Darf man sich die Schwalbenwand aus der Nähe ansehen?

Von den freigegebenen Wegen aus ja, und mit einem Fernglas sieht man ohnehin mehr. Direkt an die Wand gehen, hinaufklettern oder eine Drohne steigen lassen gehört nicht dazu: Die Art ist streng geschützt, und die Wand bricht ab, das ist ihre Natur.

Führt die Runde zum Leuchtturm Staberhuk?

Nein. Kirchners damaliges Quartier am Leuchtturm gehört zur Geschichte seiner Inselaufenthalte, liegt aber außerhalb dieser Runde. Für Staberhuk bietet sich ein gesonderter Ausflug an.

Lohnt sich die Tour auch ohne Ausstellungsbesuch?

Ja. Die Motivtafeln unterwegs stellen den Bezug zu Kirchner auch so her, und Wulfener Berg, Steilküste und Hafen Burgstaaken tragen den Tag für sich. Die Ausstellung macht den Vergleich zwischen Bild und Ort allerdings deutlich reizvoller.

Dein Ausgangspunkt am Südstrand

Von Meerzeitliebe und der Zweiten Liebe aus verbindest du einen Ausflug zur Kunst mit einem Urlaubstag am Meer. Die Runde führt praktisch an der Haustür vorbei, und nach der Tour bist du wieder am Südstrand.

Wenn dich auch die Gestaltungsgeschichte des Südstrands interessiert, lies weiter über die Arne-Jacobsen-Siedlung. Zwischen Kirchners Fehmarnbildern und einer Feriensiedlung der Moderne liegen fünfzig Jahre und dieselbe Küste.

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Herzliche Grüße vom Südstrand, Frank