Arne Jacobsen auf Fehmarn
Das Haus des Gastes in Burgtiefe auf Fehmarn
Der flache Bau, an dem alle vorbeigehen – und mit dem 1968 alles anfing
Am Südstrand gibt es ein Gebäude, an dem man leicht vorbeigeht: flach, geradlinig, mit einer filigranen Pergola. Das Haus des Gastes macht weniger auf sich aufmerksam als die Fernblickhäuser oder das Dach des Wellenbades. Dabei begann hier 1968 ein neues Kapitel für Burgtiefe: Der Bau von Arne Jacobsen und Otto Weitling war das erste eröffnete Gebäude des neuen Ferienzentrums.
Später wurde aus dem Veranstaltungsort zeitweise eine Filmkulisse und eine Galerie. Heute steht die Frage im Mittelpunkt, wie das denkmalgeschützte Haus wieder dauerhaft genutzt werden kann. Wer seine Geschichte kennt, sieht auf dem Weg zum Strand mehr als einen sanierungsbedürftigen Pavillon.
Für deinen Besuch: Das Haus des Gastes liegt am Südstrand in Burgtiefe, Am Burggraben 2. Plane einen Blick von außen ein. Ob du hineinkommst, hängt von ausdrücklich angekündigten Öffnungen oder Veranstaltungen ab – eine regelmäßige Besichtigung gibt es nicht.
Das Haus des Gastes auf einen Blick
- Lage – Am Burggraben 2 in Burgtiefe, nahe dem Meerwasserwellenbad. Nicht zu verwechseln mit dem Haus des Gastes in Dänschendorf im Westen der Insel.
- Entwurf – Arne Jacobsen und Otto Weitling, als Teil des Seebads Burgtiefe.
- Eröffnung – 1968, als erstes fertiges Gebäude des neuen Ferienzentrums.
- Gestalt – eingeschossiger Stahlskelettbau auf erhöhtem Podest, umgeben von einer Pergola.
- Früherer Name – „Haus des Kurgastes“. Gemeint ist derselbe Bau.
- Denkmalschutz – seit Januar 2004 im Denkmalbuch, einschließlich Plateau, Pergola und Mauern.
- Besuch – von außen über die öffentlichen Wege. Innen nur bei angekündigten Öffnungen.
1968 begann das neue Seebad mit einem Haus für seine Gäste
Der internationale Wettbewerb von 1965 gab den Anstoß für das neue Ostseeheilbad. Arne Jacobsen und Otto Weitling entwickelten dafür einen zusammenhängenden Entwurf mit Ferienwohnungen, Hotelbauten und gemeinschaftlichen Einrichtungen. Zum zentralen Kurzentrum gehörten das Haus des Gastes, das Meerwasserwellenbad und das damalige Kurmittelhaus.
Das Haus des Gastes wurde 1968 eingeweiht und gehörte damit zu jener frühen Phase, in der der Ferienort erst Gestalt annahm. Jacobsen lebte damals noch; er starb im März 1971. Historische Aufnahmen zeigen ihn bei der Eröffnung des Hauses.
Der Name „Haus des Kurgastes“, den du in älteren Beschreibungen findest, meint denselben Bau. Er war ein Ort für Veranstaltungen innerhalb des Seebads: Urlaub sollte hier auch gemeinsame Zeit außerhalb der Unterkunft bedeuten.
Warum das Haus an dieser Stelle steht
Die Nähe zur Promenade war Teil des Konzepts. Wohnen, Erholung und gesellschaftliches Leben wurden im Ferienzentrum miteinander verknüpft, und das Haus des Gastes hatte dabei eine andere Aufgabe als die Wohnhäuser: Es bot Raum, in dem Gäste zusammenkamen.
Versuch dir beim Vorbeigehen die ersten Feriengäste vorzustellen. Die Anlage war neu, das Meer lag wie heute direkt davor, und das Haus war ein sichtbares Zeichen für den Aufbruch des Seebads. Alte Fotos helfen, diese frühere Stimmung mit dem heutigen Ort zu verbinden.
Mehr zum Ensemble steht auf der Seite zur Arne-Jacobsen-Siedlung.
Die Architektur des Hauses des Gastes
Ein Pavillon aus Stahl und Glas
Das Haus des Gastes ist ein eingeschossiger Stahlskelettbau auf einem erhöhten Podest. Die flache Form und die feine Gliederung der Fassaden bestimmen den Eindruck. Statt einer großen Geste lohnt sich hier der Blick auf die Linien: die Dachkante, die Stützen, die Gliederung der Glasflächen.
„Stahlskelett“ beschreibt das tragende Gerüst des Gebäudes. Für deinen Spaziergang ist vor allem die Wirkung interessant: Schau dir an, wie die einzelnen Felder die lange Fassade ordnen. Aus etwas Abstand liest du die Form des ganzen Hauses, näher am Gebäude entdeckst du die Details.
Die Pergola gehört zum Haus
Eine Pergola umgibt den Pavillon. Ihre schlanken Elemente erweitern die Architektur in den Außenraum: Das Haus endet optisch nicht an der Fassade, die Linien setzen sich davor fort.
Mein Tipp: Für ein Foto lohnt ein schräger Blick entlang der Stützen. So bekommst du Haus und Pergola gemeinsam ins Bild, und bei seitlichem Licht treten Abstände und Schatten stärker hervor. Nutze dafür die zugänglichen Wege und bleib außerhalb abgesperrter Bereiche.
Ein genauer Blick auf das Ensemble
Vergleiche anschließend das flache Haus mit dem benachbarten Wellenbad und den Fernblickhäusern weiter östlich. Dass diese Bauten so unterschiedlich wirken, macht den Ort lesbar: hier Räume für Begegnungen, dort eine Schwimmhalle, weiter entfernt Unterkünfte. Sie gehören zum selben geplanten Seebad.
Auf dem Rückweg in die westliche Siedlung kannst du diese Beobachtung fortsetzen. Wie verändern sich die Abstände zwischen den Häusern? Wo bleibt der Blick frei? Welche Wege laden zum Weitergehen ein? Ein solcher Spaziergang braucht keine Führung, aber etwas Zeit zum Schauen.
Seit 2004 ein geschütztes Baudenkmal
Das Haus des Gastes wurde im Januar 2004 in das Denkmalbuch eingetragen. Das dokumentiert die Begründung zum Bebauungsplan 54A. Der Schutz umfasst das gesamte Haus einschließlich des umgebenden Plateaus mit Pergola und Mauern.
Die amtliche Beschreibung des Ostseeheilbads Burgtiefe führt das Haus außerdem als Teil der geschützten Sachgesamtheit und als eigenständiges Einzeldenkmal auf. Deshalb sind bei seiner Erhaltung auch die räumlichen Zusammenhänge wichtig.
Diese Jahreszahl gilt nur für dieses Haus. Das Meerwasserwellenbad steht schon seit 1991 unter Schutz, die Sachgesamtheit „Ostseeheilbad Burgtiefe“ seit Ende 2015. Wer einer einzelnen Jahreszahl für das ganze Ensemble begegnet, hat meist eine dieser drei erwischt.
Als Burgtiefe für einen Film zum Hotel wurde
Vielleicht kennst du das Haus, ohne es zu wissen. Für „3 Tage in Quiberon“, den Schwarz-Weiß-Film von Emily Atef aus dem Jahr 2018, diente das Haus des Gastes als Hotelkulisse. Marie Bäumer spielt darin Romy Schneider. Die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein nennt das Gebäude ausdrücklich als einen der Drehorte auf Fehmarn.
Das ist ein schöner Anlass für einen zweiten Blick: Dieselbe Architektur, die du am Südstrand vor dir hast, erscheint im Film in einem ganz anderen Zusammenhang. Wenn du ihn vor deinem Urlaub ansiehst, kannst du beim Spaziergang nach vertrauten Formen Ausschau halten.
Eine Klarstellung, weil sie leicht verrutscht: Der Filmbezug erzählt von den Dreharbeiten, nicht von einem Aufenthalt Romy Schneiders. Sie war nie in diesem Haus.
Eine Ausstellung im eigenen Ausstellungsstück
2022 wurde das Haus selbst zum Ort einer Architekturausstellung. „Gesamtkunstwerke“ widmete sich den deutschen Bauten von Arne Jacobsen und Otto Weitling; die von Jan Dimog und Hendrik Bohle kuratierte Wanderausstellung machte damit direkt an einem der vorgestellten Orte Station.
Daran schloss sich 2023 eine Open-Air-Galerie am Haus an. Zwischen den Stützen angebrachte Banner verbanden historische und aktuelle Fotografien mit kurzen Erläuterungen; die offizielle Projektseite beschreibt sie als Angebot für die Sommermonate.
Beides waren zeitlich begrenzte Vorhaben. Ob während deines Aufenthalts etwas zu sehen ist, steht am besten in den aktuellen Informationen des Tourismus-Service Fehmarn.
Was heute für das Haus des Gastes geplant ist
Stand Oktober 2026: Die lange Nutzungspause und der Sanierungsbedarf sind in der Fachliteratur und in den Unterlagen der Stadt dokumentiert. Das Entwicklungskonzept von 2024 sah nach einer Sanierung eine Tourismusinformation mit Veranstaltungsräumen vor. Das war eine Planung, kein eingerichtetes Besucherzentrum.
Inzwischen beschreibt Investor Tim Thelosen in einem Interview der Wirtschaftsförderung WTSH eine andere Perspektive: Im Zusammenhang mit der Entwicklung der benachbarten „Spielwiese“ soll das Haus denkmalgerecht saniert und mit einem Restaurant und einem Laden öffentlich zugänglich werden.
Für deinen Besuch heißt das: Die Gastronomie ist ein Vorhaben. Plane sie noch nicht als geöffneten Einkehrstopp ein. Für den aktuellen Stand von Bauarbeiten, Zugängen und Veranstaltungen lohnt ein Blick auf die Informationen zum Sanierungsgebiet Burgtiefe.
So passt das Haus in deinen Südstrandspaziergang
Von unseren Ferienwohnungen in der Arne-Jacobsen-Siedlung gehst du zur Südstrandpromenade und folgst ihr nach Osten zum Haus des Gastes. Für einen kurzen Architekturstopp reichen 15 bis 20 Minuten vor Ort. Die Zeit ist ein Vorschlag für Blickpausen, keine vermessene Tour.
- Mit Abstand anfangen. Stell dich an die Promenade und schau auf Dachlinie, Gebäudesockel und die Lage zum Strand.
- Den Blickwinkel wechseln. Geh auf den zugänglichen Wegen um das Haus herum und achte besonders auf die Pergola und die Wiederholung ihrer Stützen.
- Mit dem Wellenbad vergleichen. Der Höhenunterschied erzählt von den unterschiedlichen Aufgaben im früheren Kurzentrum.
- Weiter oder zurück. Wer weitergehen möchte, folgt der Promenade zu den Fernblickhäusern; zurück führt derselbe Weg Richtung Siedlung.
Für eine größere Runde findest du die weiteren Stationen auf der Seite Architekturspaziergang durch Burgtiefe. Die Burgruine Glambek in der Nähe ergänzt den Blick auf die Moderne um die ältere Geschichte der Halbinsel. Beachte vor Ort die aktuellen Zugänge und Absperrungen.
In der Jacobsen-Siedlung Urlaub machen
Unsere Ferienwohnungen Zweite Liebe und Meerzeitliebe liegen im westlichen Teil der Arne-Jacobsen-Siedlung zwischen Südstrand und Yachthafen. Damit beginnt dein Architekturspaziergang schon vor der Haustür.
Auf der Seite Wohnen mit Arne Jacobsen steht außerdem, wie ich seine Designideen bei der Einrichtung der Zweiten Liebe aufgegriffen habe.
Oder sieh direkt nach, wann frei ist.
Häufige Fragen zum Haus des Gastes
Wo liegt das Haus des Gastes?
In Burgtiefe am Südstrand von Fehmarn, Am Burggraben 2, nahe dem Meerwasserwellenbad. Gemeint ist hier der Jacobsen-Bau in Burgtiefe – auf der Insel gibt es ein zweites Haus des Gastes in Dänschendorf.
Wer hat es entworfen und wann wurde es eröffnet?
Das Haus gehört zum Entwurf von Arne Jacobsen und Otto Weitling. Es wurde 1968 als erstes Gebäude des neuen Ferienzentrums eingeweiht.
Ist das Haus des Gastes ein Museum?
Nein. Es war zeitweise Ausstellungsort, zuletzt 2022 und 2023. Ein dauerhaft geöffnetes Museum solltest du für deinen Besuch nicht voraussetzen; achte auf angekündigte Öffnungen.
In welchem Film ist das Haus zu sehen?
Es diente für „3 Tage in Quiberon“ mit Marie Bäumer als Hotelkulisse. Gedreht wurde hier – Romy Schneider selbst war nie in diesem Haus.
Gibt es dort schon ein Restaurant?
Nein. Die öffentlich zugängliche Gastronomie gehört zu den beschriebenen Zukunftsplänen. Vor einem Besuch lohnt es sich, den aktuellen Stand zu prüfen.
Quellen
- Tourismus-Service Fehmarn, Pressemappe 2026 – Einweihung 1968 als erstes Gebäude und die Rolle im Kurzentrum.
- THE LINK, Jan Dimog, „Die Krone der Insel“ (2018) – Architekturbeobachtungen und Archivbilder der Eröffnung.
- Landesamt für Denkmalpflege, Öffentliche Benachrichtigung Ostseeheilbad Burgtiefe – Entwurf, Sachgesamtheit, Adresse und Schutzumfang.
- Stadt Fehmarn, Bebauungsplan 54A, Begründung vom 25.09.2008 – die Eintragung ins Denkmalbuch im Januar 2004.
- Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein, Film ab in Schleswig-Holstein (2022) – das Haus als Hotelkulisse für den Film von Emily Atef.
- THE LINK, Wanderausstellung „Gesamtkunstwerke“, Station Burgtiefe 2022 – zeitlich begrenzt.
- Stadt Fehmarn und BIG Städtebau, Aktuelle Projekte, Abschnitt Open-Air-Galerie – Installation 2023 für die Sommermonate.
- Stadt Fehmarn, ISEK, Fortschreibung vom 28.03.2024 – damalige Ziele für Informations- und Veranstaltungsnutzung sowie Sanierungsbedarf.
- WTSH, Interview mit Investor Tim Thelosen zur „Spielwiese“ – sein Vorhaben: denkmalgerechte Sanierung, Restaurant und Laden. Kein Eröffnungsnachweis.
- Leibniz Universität Hannover, Christopher Möller, Bachelorthesis WS 2023/24 – frühere Veranstaltungsnutzung und langjähriger Leerstand.
Angaben ohne Gewähr. Stand: Oktober 2026. Die Zukunftspläne sind Pläne; Öffnungszeiten, Gastronomie oder Museumsangebote lassen sich daraus nicht ableiten.