Das Wahrzeichen der Insel

Die Fehmarnsundbrücke

Stand: Oktober 2026

Januar vom Wohnzimmer der Meerzeitliebe (vor Renovierung): die Sonne über dem Burger Binnensee, rechts die Bögen der Fehmarnsundbrücke.

Es gibt einen Punkt auf der B207, kurz hinter Großenbrode, da tauchen die beiden Stahlbögen über der Straße auf. Von dort sind es noch rund zwanzig Minuten bis zur Wohnung, aber der Urlaub fängt genau da an. Wer regelmäßig herkommt, kennt das. Man wird ein bisschen langsamer, obwohl man es eilig hatte.

963 Meter später ist man auf der Insel. Nicht weit, und trotzdem fühlt es sich an, als läge etwas hinter einem.

Die Fehmarnsundbrücke ist das Wahrzeichen der Insel. Nicht die Kirche, nicht der Leuchtturm, nicht der Strand, sondern ein Stück Verkehrsinfrastruktur aus dem Jahr 1963.

Vom Balkon der Meerzeitliebe aus

Die Brücke liegt gut fünfeinhalb Kilometer entfernt, fast genau im Westen. Der Blick geht über den Burger Binnensee und den Wulfener Hals hinweg. Das heißt: Die Sonne geht in ihrer Richtung unter, nur eben jede Woche an einer etwas anderen Stelle.

Im Hochsommer sinkt sie weit rechts davon ins Land, gut fünfzig Grad nördlich der Brücke. Von Woche zu Woche wandert sie nach links, bis sie Mitte Oktober genau hinter den Bögen steht. Dann ist die Brücke nur noch ein schwarzer Umriss vor orangefarbenem Himmel. Im Dezember geht die Sonne weit links unter, über dem Wasser.

Und dann kommt sie zurück. Im Januar und Februar wandert sie Woche für Woche wieder auf die Brücke zu: Anfang Januar steht sie noch knapp dreißig Grad daneben, Mitte Februar zehn, Ende Februar fast genau dahinter, Anfang März ganz.

Die Wintermonate sind der eigentliche Grund für diese Seite. Im Januar sinkt die Sonne links neben der Brücke ins Wasser, und beides steht im selben Bild: vorn die flachen Dächer der Siedlung im Schnee, dahinter der zugefrorene Binnensee, der Wulfener Hals als dunkler Streifen, ganz rechts die Bögen. Die Luft ist dann klar, die Sonne geht kurz nach halb fünf unter, und man steht noch im Hellen auf dem Balkon.

Es ist jeden Abend ein anderes Bild. Man gewöhnt sich nicht daran.

Ich schaue hier selbst immer wieder gern auf den Sonnenuntergang. Besonders spannend ist, wie die Sonne im Laufe des Jahres am Horizont wandert: Anfang März und Mitte Oktober steht sie beim Untergang genau hinter den Bögen der Fehmarnsundbrücke. Und das Beste daran: Diesen Blick gibt es direkt vom Balkon.

Ende Februar und Mitte Oktober steht die Sonne genau hinter den Bögen.

Das ist der Grund, warum diese Seite überhaupt hier steht. Über die Brücke schreiben viele. Vom Frühstückstisch aus zusehen, wie die Sonne dahinter untergeht, kann man in der Meerzeitliebe. Eine Ferienwohnung mit Blick auf die Fehmarnsundbrücke gibt es am Südstrand nicht oft – und in der Zweite Liebe im Erdgeschoss hat man ihn nicht, dort geht der Blick ins Grüne.

Der Kleiderbügel in Zahlen

Eröffnet30. April 1963
Baubeginn4. Januar 1960
Gesamtlänge963 Meter
Breite des Sundsrund 1.300 Meter, durch 337 Meter Rampen auf 963 Meter eingeengt
Stützweite des Bogens248,5 Meter
Höhe des Bogens über der Fahrbahn45 Meter
Durchfahrt für Schiffe240 Meter breit, 23 Meter hoch
Breite der Brücke21 Meter, geteilt von Bahngleis, B207 und einem kombinierten Rad- und Fußweg
BauartNetzwerkbogenbrücke, eine der ersten und größten ihrer Art weltweit
EntwurfChefingenieur Helmut Wild mit G. Fischer, T. Jahnke und P. Stein von der Gutehoffnungshütte Sterkrade, architektonische Gestaltung Gerd Lohmer
Denkmalschutzseit 1999
SpitznameKleiderbügel

Warum sie so aussieht

Die Form ist keine Laune. Zwei gegeneinander geneigte Parabelbögen berühren sich im Scheitel, und die Hänger dazwischen laufen nicht senkrecht nach unten, sondern kreuzen sich zu einem Rautennetz. Daher der Name Netzwerkbogen. Die Kräfte verteilen sich dadurch so gleichmäßig, dass die Konstruktion mit erstaunlich wenig Stahl auskommt.

Fehmarnsundbrücke von unten fotografiert
Die Hänger kreuzen sich zu einem Rautennetz – daher der Name.

Deshalb wirkt sie aus der Entfernung leicht, obwohl sie ein Bahngleis und eine Bundesstraße trägt. Mitgestaltet hat sie Gerd Lohmer, der auch an mehreren Rheinbrücken beteiligt war. Sie stammt aus denselben Jahren wie die Siedlung hier am Südstrand, aus einer Zeit, in der Ingenieurtechnik und Gestaltung noch als eine einzige Aufgabe gedacht wurden.

Das Wahrzeichen der Insel

Fehmarn hat eine mittelalterliche Kirche, eine Burgruine, mehrere Leuchttürme und 78 Kilometer Küste. Trotzdem ist es die Brücke, die auf den Postkarten, den Aufklebern und den Kaffeebechern landet, und auch der Tourismus-Service nennt sie schlicht das Wahrzeichen der Insel.

Das hat einen einfachen Grund: Man sieht sie von fast überall. Fehmarn ist flach, und die Bögen stehen 45 Meter über der Fahrbahn. Wer über die Insel radelt, hat sie immer wieder am Horizont, von einer anderen Seite, in einem anderen Licht.

Und dann ist da der Name. Kleiderbügel sagt hier jeder, und das ist keine Respektlosigkeit, sondern das Gegenteil. Man gibt Dingen nur dann einen Spitznamen, wenn sie dazugehören.

Die Geschichte in fünf Minuten

Vor der Brücke fuhr eine Fähre über den Sund. Eine Verbindung, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht, ab 1903 motorisiert und sogar mit einem Gleis für Güterwagen ausgestattet.

963 Meter über den Sund – seit dem 30. April 1963.

Gebaut wurde die Brücke als Teil der Vogelfluglinie, benannt nach der Zugroute der Kraniche und anderer arktischer Wasservögel zwischen Mitteleuropa und Skandinavien. Zusammen mit dem gleichzeitig entstandenen Fährhafen Puttgarden verkürzte sie die Reisezeit zwischen Hamburg und Kopenhagen erheblich.

Die schönste Geschichte ist die Eröffnung, die keine war. Offiziell eingeweiht wurde die Brücke am 30. April 1963. Befahren wurde sie zum ersten Mal schon am 16. Januar. Der Winter 1962/63 war so streng, dass der Fährverkehr wochenlang stillstand, und um die Insel und die Baustelle zu versorgen, durfte man mit Sondergenehmigung und auf eigene Gefahr hinüber. Über eine Brücke, die offiziell noch gar nicht fertig war.

Tunnel, Baustelle und die Zukunft der Brücke

Die Fehmarnsundbrücke wird nicht abgerissen. Sie steht unter Denkmalschutz und bleibt erhalten. Nach Fertigstellung des neuen Tunnels wird sie für den langsamen Verkehr, für Fußgänger und Radfahrende ertüchtigt. Züge fahren dann nicht mehr darüber.

Parallel zur Brücke entsteht der Fehmarnsundtunnel, ein rund 2,2 Kilometer langer Absenktunnel mit vier Fahrstreifen für die Straße und zwei Gleisen für die Bahn. Die Brücke selbst wird saniert und bekommt unter anderem neue Seile.

Zu den Terminen bin ich ehrlich: Die Angaben unterscheiden sich je nach Teilprojekt und Quelle, genannt werden Jahre zwischen 2027 und 2032, und die Kostenschätzungen sind zuletzt deutlich gestiegen. Wer es genau wissen will, schaut am besten direkt bei den Projektträgern nach:

Für deinen Aufenthalt heißt das vor allem eins: Es wird gebaut, aber man kommt hinüber.

Praktisch für deine Anreise

Auffahrt auf die Fehmarnsundbrücke von Großenbrode kommend
Kurz hinter Großenbrode tauchen die Bögen auf.

Sturm. Ab etwa acht Beaufort wird die Brücke für Pkw mit Anhänger und leere Lkw gesperrt, bei stärkerem Sturm ganz. Wenn du mit Wohnwagen oder Fahrradanhänger anreist, lohnt vorher ein Blick auf den Wind.

Zu Fuß und mit dem Rad. Seit dem 1. September 2024 wieder möglich. Radfahrende müssen schieben. Vom Festland führt der Weg über den Königsweg, von der Insel über Strukkamp.

Kosten. Keine. Keine Maut, keine Gebühr.

Stau. Samstagvormittag in der Hauptsaison ist die schlechteste Zeit für die letzte Stunde – dann wechseln auf der ganzen Insel gleichzeitig die Gäste. Wer Freitagabend oder Sonntagfrüh anreisen kann, kommt entspannter an.

Entfernung bis zur Wohnung. Mit dem Auto rund 12,5 Kilometer, etwa 20 Minuten. Zu Fuß sind es 10,2 Kilometer und knapp zweieinhalb Stunden.

Wo man sie am besten sieht

Vom Wulfener Hals und vom Sundstrand aus liegt sie am nächsten.
Vom Wulfener Hals und vom Sundstrand aus liegt sie am nächsten.

Meine liebste Laufrunde mit Brückenblick

Eine meiner liebsten Laufstrecken führt einmal rund um den Burger Binnensee, über den Wulfener Hals bis zum Sundstrand. Spätestens dort ist Halbzeit – und der freie Blick auf die Fehmarnsundbrücke ist jedes Mal unbezahlbar.

Lehmkenhafen & Orth – Brücke aus der Ferne

Auch von der Westseite Fehmarns lohnt sich der Blick Richtung Sund. Besonders rund um Lehmkenhafen und Orth zeigt sich die Brücke aus einer ganz anderen Perspektive – weiter entfernt, eingebettet in die typische Fehmarner Küstenlandschaft.

Sundstrand – ganz nah dran

Wer die Fehmarnsundbrücke nicht nur aus der Ferne sehen möchte, sollte einen Abstecher zum Sundstrand machen. Hier wirkt der markante Brückenbogen besonders imposant – und Strand, Wasser und Brücke ergeben ein großartiges Fotomotiv.

Einmal über die Brücke – und zurückblicken

Mein Tipp bei der An- oder Abreise: Nicht nur über die Fehmarnsundbrücke fahren, sondern auf der Festlandseite einen kleinen Stopp einplanen. Von Großenbrode aus erlebt man die „Kleiderbügel“-Silhouette noch einmal aus einer völlig anderen Perspektive – besonders schön bei tief stehender Sonne.

Der bequemste Logenplatz: Meerzeitliebe

Und manchmal muss man für einen besonderen Brückenblick überhaupt nicht los: Vom Balkon der Meerzeitliebe ist die Fehmarnsundbrücke am Horizont zu sehen. Besonders reizvoll wird es Anfang März und Mitte Oktober, wenn die untergehende Sonne genau in Richtung der Brückenbögen wandert. Mein Tipp: ein Getränk mit auf den Balkon nehmen und einfach sitzen bleiben.

Gut zu wissen

Häufige Fragen

Die Fragen, die vor fast jeder Buchung kommen – hier schon beantwortet.

Sieht man die Brücke von der Ferienwohnung aus?

Von der Meerzeitliebe ja, vom Balkon aus in westlicher Richtung, gut fünfeinhalb Kilometer Luftlinie über den Burger Binnensee und den Wulfener Hals. Von der Zweite Liebe im Erdgeschoss nicht.

Was ist das Wahrzeichen von Fehmarn?

Die Fehmarnsundbrücke von 1963, im Volksmund Kleiderbügel genannt. Sie ist von fast überall auf der Insel zu sehen und steht seit 1999 unter Denkmalschutz.

Wird die Fehmarnsundbrücke abgerissen?

Nein. Sie steht seit 1999 unter Denkmalschutz und bleibt nach dem Tunnelbau für Fußgänger, Radfahrende und langsamen Verkehr erhalten.

Kann man mit dem Fahrrad darüber?

Ja, seit dem 1. September 2024 wieder. Schieben ist Pflicht.

Kostet die Überfahrt etwas?

Nein.

Wann wird die Brücke gesperrt?

Ab etwa acht Beaufort für Gespanne und leere Lkw, bei Sturm für alle.

Wie weit ist es von der Brücke bis zum Südstrand?

Mit dem Auto rund 12,5 Kilometer, etwa 20 Minuten. Zu Fuß sind es 10,2 Kilometer und knapp zweieinhalb Stunden – das ist eher eine Wanderung als ein Weg, aber es geht.

Und dann ist man da

Auf dem Rückweg funktioniert es übrigens andersherum. Man fährt auf die Bögen zu und weiß, dass der Urlaub vorbei ist. Bis zum nächsten Mal.