Architektur

Die Arne-Jacobsen-Siedlung in Burgtiefe

Arne Jacobsen war Däne, Architekt und Designer. Von ihm stammen der Ei-Sessel, der Schwan und der Ameisenstuhl – Möbel, die heute in Museen stehen und in Wohnzimmern. Am Südstrand von Fehmarn hat er eine ganze Feriensiedlung entworfen. Für das SAS Royal Hotel in Kopenhagen entwarf er beides – das Gebäude und große Teile der Einrichtung; Ei und Schwan sind für dieses Haus entstanden.

Seit 2015 steht das Ensemble unter Denkmalschutz. Nicht, weil es hübsch ist. Sondern weil es ein zusammenhängend gedachter Entwurf ist, von der Anordnung der Baukörper bis zur Ausrichtung der Fenster.

Dass hier überhaupt gebaut wurde, hat mit einer Brücke zu tun: Die 1963 eröffnete Fehmarnsundbrücke machte die Insel mit dem Auto erreichbar. Drei Jahre später begann der Bau der Siedlung.

Eine Gruppe von Männern in Anzügen geht durch den verglasten Wandelgang des neuen Gebäudes in Burgtiefe. Links außen Arne Jacobsen.
Arne Jacobsen (links) bei der Eröffnung der Feriensiedlung © Stadtarchiv Fehmarn
Eine Gruppe von Männern in Anzügen geht durch den verglasten Wandelgang des neuen Gebäudes in Burgtiefe. Links außen Arne Jacobsen.
Arne Jacobsen (links) bei der Eröffnung der Feriensiedlung © Stadtarchiv Fehmarn

Von außen muss man das mögen

Zwei Gäste haben in ihren Bewertungen geschrieben, was viele denken: Die Gebäude entsprechen dem Zeitgeist ihrer Entstehung. Beton, klare Kanten, kein Reetdach, keine Rosen am Zaun. Beide haben trotzdem fünf Sterne gegeben – aber die erste Reaktion war Skepsis.

Deshalb steht es hier und nicht im Kleingedruckten. Wer eine Ostsee-Idylle aus dem Katalog erwartet, wird beim Ankommen überrascht. Wer weiß, dass er in einem denkmalgeschützten Jacobsen-Ensemble wohnt, sieht Architektur.

Aussenaufnahme der ZweitenLiebe
Aussenaufnahme der ZweitenLiebe in einem der typischen Arne-Jacobsen 5-Stöcker
Aussenaufnahme der Meerzeitliebe
Außenaufnahme der Meerzeitliebe in einem der typischen Arne Jacobsen Dreistöcker

Von innen merkt man, warum

Die Wohnungen sind nach Süden ausgerichtet. Die Fenster sitzen dort, wo nachmittags das Licht hereinfällt, nicht dort, wo sie in eine Fassade passen. Der Grundriss trennt Schlafen, Kochen und Wohnen – in einer Ferienwohnung von 49 Quadratmetern ist das nicht selbstverständlich.

Eine Frage, die oft kommt: Hat eine Terrassenwohnung im Erdgeschoss Meerblick? In der Regel nicht. Je nach Lage schaut man auf Grünflächen oder auf die vorgelagerten Bungalows, vereinzelt zwischen zwei Gebäuden hindurch auf einen schmalen Streifen Wasser. Als Meerblickwohnungen würde ich die Terrassenwohnungen deshalb nicht einordnen.

Dafür bekommt man etwas anderes. Die Terrassen im Erdgeschoss sind ungefähr doppelt so groß wie die Balkone in den Geschossen darüber, und sie liegen mitten in der Anlage statt darüber. Der Reiz ist der Platz draußen und die Nähe zu dem, was zwischen den Häusern passiert. Ein abgeschlossener Garten ist eine Terrasse damit nicht.

In der Zweite Liebe habe ich das aufgenommen: originale Stühle Serie 7 von Arne Jacobsen am Esstisch und am Schreibtisch, dazu ein Ei-Sessel als Nachbau und Grafiken von Bo Lundberg. Nicht als Museum. Man darf sich hineinsetzen.

Architektur, in der man wohnen kann, statt sie zu besichtigen. Wie die Wohnung eingerichtet ist und was daran echt ist, steht auf einer eigenen Seite: Wohnen mit Arne Jacobsen.

Du möchtest die Gebäude vor Ort entdecken? Der Architekturspaziergang durch Burgtiefe führt dich vom Haus des Gastes über das Wellenbad bis zu den geschwungenen Häuserreihen am Südstrand.

Zum selben Entwurf gehören die drei Hochhäuser im Osten der Halbinsel. Sie waren ursprünglich viel niedriger geplant – die Geschichte dazu steht unter Die Fernblickhäuser in Burgtiefe.

In der Mitte lag das Kurzentrum, und zwei seiner Gebäude stehen noch: das Haus des Gastes, das 1968 als erstes fertig wurde, und das Meerwasserwellenbad im heutigen FehMare.

Du möchtest die Gebäude vor Ort entdecken? Der Architekturspaziergang durch Burgtiefe führt dich vom Haus des Gastes über das Wellenbad bis zu den geschwungenen Häuserreihen am Südstrand.

Noch älter als die Siedlung ist die Geschichte der Halbinsel. Der Geschichtsspaziergang durch Burgtiefe führt von der Burgruine Glambek über die Sturmflut von 1872 bis zum Yachthafen.

Arne-Jacobsen Originale und Repliken in der ZweitenLiebe Fehmarn
Arne-Jacobsen Originale und Repliken in der ZweitenLiebe Fehmarn

Wie die Siedlung entstand

Die Arne-Jacobsen-Siedlung am Südstrand geht auf einen Architekturwettbewerb von 1965 zurück. Auf Initiative der damaligen Stadt Burg auf Fehmarn entwickelten die dänischen Architekten Arne Jacobsen und Otto Weitling das Konzept für ein modernes Ferienzentrum in Burgtiefe, das zwischen 1968 und 1972 entstand.

Die Idee war, Ferienwohnungen, Bungalows und Hotelbauten mit gemeinschaftlichen Einrichtungen zu verbinden – dem „Haus des Gastes“ und dem Meerwasser-Wellenbad. Architektur und Freiräume sollten sich an der Küstenlandschaft orientieren und Erholung am Meer mit gesellschaftlichem Leben zusammenbringen.

Aus der Vogelperspektive wird die besondere Anordnung der Arne-Jacobsen-Siedlung auf Fehmarn sichtbar: Bungalows und Appartementhäuser ziehen sich in sanft geschwungenen, wellenartigen Reihen um eine großzügige Grünfläche. Jacobsen und Weitling orientierten die Anlage bewusst an der Form der Halbinsel Burgtiefe. Vom Südstrand landeinwärts steigen die Gebäudehöhen von eingeschossigen Bungalows über drei- bis zu fünfgeschossigen Appartementhäusern an; Balkone und Terrassen sind weitgehend nach Süden ausgerichtet. So verbindet die Siedlung ihre klare, moderne Architektur mit den weichen Linien der Küstenlandschaft.

Arne Jacobsen Siedlung und Südstrand aus der Vogelperspektive
Die Arne Jacobsen Siedlung und der Südstrand aus der Vogelperspektive
Ansicht der Arne Jacobsen Siedlung vom Wasser
Ansicht der Arne Jacobsen Siedlung vom Wasser

Was der Denkmalschutz bedeutet

Die Siedlung steht als Teil des Ensembles Burgtiefe unter Denkmalschutz. Bei den Ferienwohngebäuden ist das gesamte Äußere geschützt: Änderungen an Fenstern, Fassaden oder Balkonen brauchen eine denkmalrechtliche Genehmigung.

Was alles zum Ensemble gehört

Geschützt ist nicht ein einzelnes Haus, sondern die Anlage als Ganzes. Jacobsen und Weitling haben Wohnen, Baden und Zusammenkommen auf derselben Halbinsel entworfen, in derselben Formensprache und im selben Maßstab – ein Gesamtkunstwerk der Nachkriegsmoderne, von der Siedlung im Westen bis zum Vitamar im Osten.

  • Die Arne-Jacobsen-Siedlung – die drei- und fünfgeschossigen Wohnhäuser und die Terrassenhäuser im Westen. Hier stehen meine beiden Wohnungen.
  • Die Fernblickhäuser – die drei 17-geschossigen Türme am Strand, heute als IFA-Hoteltürme bekannt.
  • Das Meerwasser-Wellenbad, heute Teil des FehMare – schon seit 1991 geschützt, und zwar zusätzlich als eigenes Denkmal.
  • Das Haus des Gastes – der flache Pavillon, mit dem 1968 alles anfing. Seit Januar 2004 im Denkmalbuch, ebenfalls als eigenes Denkmal.
  • Das Vitamar – das dreigeschossige Apartmenthaus östlich der Türme. Sein Äußeres ist geschützt, ein eigenes Denkmal ist es nicht.

Die drei Jahreszahlen sind kein Widerspruch. Wellenbad und Haus des Gastes kamen früh und einzeln ins Denkmalbuch; die Gesamtanlage folgte Ende 2015 als Sachgesamtheit „Ostseeheilbad Burgtiefe“. Zu ihr gehören noch zwei Dinge, die nicht von Jacobsen stammen: die Burgruine Glambek, um Jahrhunderte älter, und die Bronzeplastik „Mädchen am Südstrand“.

Die Einrichtung darf ich frei gestalten, und ich nutze das unterschiedlich. In der Zweite Liebe greife ich mit dem Midcentury-Stil die Architektur auf – ein ruhiges, zusammenhängendes Bild, das auch heute modern wirkt. Die Meerzeitliebe ist hyggelig-skandinavisch eingerichtet: gemütlich, hell und einladend.

Die Möbel: was Original ist und was Replik

Ich schreibe das auf, weil der Unterschied im Preis liegt und in der Ehrlichkeit. Wer wegen der Möbel kommt, merkt es ohnehin.

Original in der Zweite Liebe: die fünf Stühle Serie 7 von Arne Jacobsen – vier am Esstisch, einer am Schreibtisch.

Repliken, ebenfalls in der Zweite Liebe: ein Ei-Sessel, eine PH 5 von Poul Henningsen in Schwarz-Weiß über dem Esstisch, ein Tulip Table nach Eero Saarinen sowie AJ-Leuchten als Nachttisch- und Schreibtischlampe. Die braune Ledercouch ist ein Klassiker, aber kein Entwurf von Jacobsen.

In der Meerzeitliebe: über dem Esstisch – auch er ein Tulip Table als Replik – hängt eine PH 5 in Weiß mit orangefarbenem Kern.

Arne Jacobsen Stühle Serie 7 Fritz Hansen mit einer Replik des Tulpentisches und PH5 Lampe

Häufige Fragen zur Siedlung

Kann man sich die Siedlung ansehen, ohne dort zu wohnen?

Ja. Das Gelände ist öffentlich zugänglich – Wiesen und Parkplätze gehören allerdings zu den Wohnhäusern. Zwischen den Gebäuden und auf der Wiese darf man sich aufhalten. Fotografieren ist erlaubt: die Siedlung als Ganzes ohne Weiteres, einzelne Wohnungen und Personen bitte nur mit Erlaubnis.

Was gehört außer den Wohnhäusern noch zum Ensemble?

Das Meerwasser-Wellenbad, das „Haus des Gastes“ und die drei 17-geschossigen Fernblickhäuser, heute als IFA-Hoteltürme bekannt. Jacobsen und Otto Weitling hatten die Türme ursprünglich mit vier Geschossen geplant; auf Wunsch der Auftraggeber wurden sie noch vor Baubeginn deutlich höher ausgeführt. Heute prägen sie die Silhouette von Burgtiefe. Mehr dazu unter Die Fernblickhäuser in Burgtiefe. Östlich der Türme steht außerdem das Vitamar.

Ist das FehMare das Meerwasser-Wellenbad von Jacobsen?

Ja. Das von Jacobsen und Weitling entworfene Bad ist heute Teil der Badewelt FehMare. Die Schwimmhalle von 1972 blieb erhalten und wurde durch einen modernen Anbau ergänzt – denkmalgeschützte Architektur und erweiterte Badelandschaft am selben Ort.

Merkt man als Gast etwas vom Denkmalschutz?

Draußen ja, an der Architektur und an der geschwungenen Anlage der Siedlung. Drinnen nicht: Die Wohnungen sind individuell eingerichtet – die Zweite Liebe im Midcentury-Stil – eine Homage an Arne Jacobsen – , die Meerzeitliebe hyggelig-skandinavisch.

Sind die Wohnungen noch im Originalzustand von 1972?

In den drei- und fünfgeschossigen Häusern stecken mehrere Hundert Wohnungen. Sie gehören verschiedenen Eigentümern und werden größtenteils privat vermietet – Ausstattung und Renovierungsstand unterscheiden sich entsprechend stark. Meine beiden sind saniert und modernisiert: die Zweite Liebe 2024, die Meerzeitliebe 2026, beide mit neuer Einbauküche und eigener Einrichtung.

Wo befindet sich die Arne-Jacobsen-Feriensiedlung in Fehmarn?

Im Ortsteil Burgtiefe direkt am Südstrand, im Süden der Ostseeinsel Fehmarn. Zur Siedlung gehören Stranddistelweg, Strandhaferweg und Dünenweg. Sie liegt auf einer Halbinsel zwischen dem Yachthafen Burgtiefe und dem breiten Südstrand.

Selbst ansehen

Beide Wohnungen liegen in der Siedlung, an unterschiedlichen Straßen, wenige Gehminuten voneinander entfernt. Alle Gebäude, Seiten und Spaziergänge sammelt die Übersicht Arne Jacobsen auf Fehmarn.