Arne Jacobsen auf Fehmarn

FehMare und das Meerwasserwellenbad von Arne Jacobsen

Warum sich der Blick nach oben lohnt, bevor du ins Wasser gehst

Am Südstrand lohnt es sich, einmal vom Wasser wegzuschauen. Zwischen Promenade und Ferienhäusern steht eine Schwimmhalle, deren Dach schon von außen neugierig macht: große Betonträger, viel Glas, eine schräge Silhouette. Das historische Meerwasserwellenbad gehört zu den Bauten von Arne Jacobsen und Otto Weitling auf Fehmarn. Heute ist es Teil des FehMare.

Wenn du in der Arne-Jacobsen-Siedlung Urlaub machst, entdeckst du diese Architektur ganz nebenbei. Folge der Promenade zum Bad, wechsle die Blickrichtung und schau dir an, wie das Gebäude zum Meer steht. Dafür muss man keine Architekturpläne lesen können.

Das historische Meerwasserwellenbad. Die Träger liegen außen und tragen das schräge Dach.
Das historische Meerwasserwellenbad. Die Träger liegen außen und tragen das schräge Dach.

Das Wellenbad auf einen Blick

  • Lage – Zur Strandpromenade 6 in Burgtiefe, zwischen Südstrandpromenade und Ferienhäusern.
  • Entwurf – Arne Jacobsen und Otto Weitling. Nach Jacobsens Tod 1971 führten Weitling und Hans Dissing das Projekt zu Ende.
  • Bauzeit – 1971 bis 1972.
  • Gestalt – Schwimmhalle mit außenliegendem Tragwerk aus Stahlbeton, schrägem Dach und umlaufender Verglasung.
  • Heute – das historische Bad ist Teil des FehMare. Der Erweiterungsbau stammt von Geising + Böker und wurde 2009 eröffnet.
  • Denkmalschutz – das Wellenbad seit 1991, als eigenständiges Einzeldenkmal.
  • Besuch – von außen jederzeit über die öffentlichen Wege. Für den Badebetrieb gelten die Bedingungen des Betreibers.

Wie Jacobsen an den Südstrand kam

Die Geschichte beginnt mit dem Wettbewerb für Burgtiefe im Jahr 1965. Die damalige Stadt Burg suchte Ideen für die Entwicklung des Seebads. Jacobsen erhielt einen der ersten Preise; 1966 folgte der Auftrag gemeinsam mit Otto Weitling. Geplant wurde ein Ferienort, in dem Wohnen, Strand und öffentliche Einrichtungen miteinander verbunden waren.

Das Wellenbad entstand 1971 bis 1972. Jacobsen starb im März 1971 und erlebte die Fertigstellung nicht mehr. Otto Weitling und Hans Dissing führten das Projekt zu Ende; auch das Werkverzeichnis von Arne Jacobsen Design nennt Weitlings Mitwirkung und die spätere Vollendung durch Dissing + Weitling ausdrücklich.

Deshalb begegnen dir hier mehrere Namen. „Arne Jacobsen auf Fehmarn“ ist der bekannte Bezugspunkt. Zur Geschichte des gebauten Seebads gehören Otto Weitling und Hans Dissing ebenso dazu.

Ein Bad als Mittelpunkt des Ferienorts

Das ursprüngliche Kurzentrum verband drei Gebäude: das Haus des Gastes, das Meerwasserwellenbad und das damalige Kurmittelhaus. Im Westen lagen die Ferienhäuser, im Osten der Hotelbereich mit den Fernblickhäusern. Die Promenade hielt die Teile zusammen. Das Baden hatte damit einen festen Platz im gemeinsamen Leben des Seebads.

Genau dieser Zusammenhang macht den Spaziergang interessant: Du siehst nicht nur einzelne Gebäude, du gehst durch einen Ferienort, dessen Wege und Nutzungen gemeinsam gedacht wurden.

Warum du beim Wellenbad nach oben schauen solltest

Der Blickfang ist die außenliegende Tragkonstruktion aus Stahlbeton. Sie trägt das schräge Dach und gibt der Halle ihren Ausdruck. Dahinter liegt eine gläserne Gebäudehülle, die konstruktiv von den tragenden Elementen getrennt ist; die Beschreibung des historischen Baus nennt eine umlaufende Verglasung aus schmalen Aluminiumprofilen.

Von Norden wirkt die Halle hoch und mächtig, zur Strandseite liegt sie niedriger. Die Planung ermöglichte den Blick aus dem Becken über den Strand auf die Ostsee. Wasser, Tageslicht und Horizont waren also schon beim ursprünglichen Bad miteinander verbunden.

Mein Tipp: Bleib nicht bei einem einzigen Foto. Geh ein Stück weiter und beobachte, wie sich die Dachlinie verändert. Mit Abstand erkennst du die Silhouette, näher am Gebäude treten Stützen und Glasflächen hervor. Ein anderer Standpunkt reicht oft, damit derselbe Bau ganz anders wirkt.

Zur Strandseite liegt die Halle niedriger. Aus dem Becken geht der Blick über die Dünen auf die Ostsee.
Zur Strandseite liegt die Halle niedriger. Aus dem Becken geht der Blick über die Dünen auf die Ostsee.

Was am heutigen FehMare von Jacobsen stammt

Das historische Meerwasserwellenbad ist der Jacobsen-Bau innerhalb der heutigen Anlage. Der spätere Erweiterungsbau entstand nach einem Entwurf von Geising + Böker; das FehMare wurde 2009 eröffnet.

Das Architekturbüro griff die Lage am Meer und die waagerechten Linien der Umgebung auf und ergänzte einen schlichten Baukörper mit einer eher geschlossenen Landseite und einer weit geöffneten Seeseite. Die Verbindung zum Wellenbad erfolgt über dessen Sockelgeschoss. Die markante alte Halle sollte dabei als eigenständiges Gebäude erkennbar bleiben.

So zeigt ein Besuch zwei Bauphasen: die auffällige Schwimmhalle der frühen 1970er-Jahre und die spätere Ergänzung für Bade-, Sauna- und Wellnessangebote. Das heutige FehMare als Ganzes hat damit eine längere Entstehungsgeschichte als das ursprüngliche Meerwasserwellenbad.

Historische Schwimmhalle und späterer Anbau des FehMare nebeneinander
Zwei Bauphasen nebeneinander: die Halle der frühen 1970er-Jahre und die Erweiterung von 2009.

Baden mit Blick auf die Ostsee

Heute verbindet das FehMare das Meerwasserwellenbad mit Erlebnisbad, Sauna und Wellness. Für Urlaubstage am Südstrand ist das besonders angenehm, wenn draußen Wind aufkommt oder du eine Pause vom Strand einlegen möchtest. Die Adresse lautet Zur Strandpromenade 6 in Burgtiefe.

Öffnungszeiten, Tarife und Hinweise zu den verfügbaren Bereichen stehen beim Betreiber. Ich nenne sie hier bewusst nicht: Sie ändern sich, und eine veraltete Zahl über ein fremdes Haus wäre schlechter als ein Link.

Das Wellenbad gehört zur Geschichte der ganzen Siedlung

Die Arne-Jacobsen-Siedlung im Westen, das Kurzentrum in der Mitte und die Fernblickhäuser im Osten erklären sich besonders gut im Zusammenhang. Das Ensemble verbindet unterschiedliche Gebäudegrößen und Aufgaben auf derselben Halbinsel. Auch die Burgruine Glambek gehört zur geschützten Sachgesamtheit – sie stammt freilich aus einer ganz anderen Zeit als Jacobsens Architektur.

Wer nur die hohen Türme anschaut, übersieht leicht die feineren Unterschiede. An der Schwimmhalle lässt sich das gut üben: Wie viel Raum bekommt ein öffentliches Gebäude? Wo öffnet es sich? Wie verändert sich der Eindruck, wenn du anschließend zwischen den Wohnhäusern weitergehst? Solche Fragen machen aus dem Strandweg einen kleinen Architekturspaziergang.

Meerwasserwellenband in den 70er Jahren
Meerwasserwellenband in den 70er Jahren | Quelle: Stadtarchiv Fehmarn

Warum das Meerwasserwellenbad ein Denkmal ist

Das Wellenbad steht seit 1991 unter Denkmalschutz – früher als alles andere auf der Halbinsel. Die amtliche Beschreibung führt es sowohl als Einzeldenkmal als auch als Bestandteil des geschützten Ensembles auf. Geschützt ist die Schwimmhalle samt ihrem plattformartigen Unterbau.

Das ist ein guter Grund, auch auf den Raum um die Halle zu achten. Der Bau steht nicht zufällig auf einem erhöhten Unterbau: Gebäude und unmittelbare Umgebung gehören hier zusammen. Die geschützte Anlage erzählt davon, wie man Urlaub und Seebäder in der Nachkriegsmoderne gestaltete.

Zum Ensembleschutz nennen öffentliche Darstellungen unterschiedliche Jahreszahlen. Deshalb hier getrennt: Das Wellenbad ist seit 1991 geschützt, das Haus des Gastes seit Januar 2004, die Sachgesamtheit „Ostseeheilbad Burgtiefe“ seit Ende 2015. Drei Daten, drei verschiedene Sachen.

Wie es mit dem historischen Bad weitergeht

Stand Oktober 2026: Die offizielle Projektseite für das Sanierungsgebiet Burgtiefe nennt eine denkmalgerechte Sanierung des Meerwasserwellenbades. Der Baubeginn ist für das zweite Quartal 2027 vorgesehen, die Fertigstellung voraussichtlich für Ende 2028. Im Mittelpunkt stehen die Sicherung der historischen Bausubstanz und die Behebung vorhandener Schäden.

Diese Angaben beschreiben einen Planungsstand, kein fertiges Bauwerk. Was sich daraus für deinen Besuch ergibt, fragst du am besten vorab beim FehMare: Die Projektseite der Stadt informiert über die bauliche Entwicklung, der Betreiber über den Badebetrieb.

Ein kleiner Architekturspaziergang am FehMare

Nimm dir etwa 30 bis 45 Minuten Zeit, mit Blickpausen. Das ist ein Vorschlag und keine vermessene Tour. Starte in der Siedlung und nutze die öffentlichen Wege; mögliche Baustellenabsperrungen geben die jeweils zugängliche Route vor.

  1. Von der Siedlung zur Promenade. Geh zur Südstrandpromenade und folge ihr Richtung FehMare. Achte unterwegs auf den Wechsel von Wohnhäusern, Freiflächen und öffentlichen Gebäuden.
  2. Am Haus des Gastes. Schau auf den flacheren Nachbarbau und anschließend zum Wellenbad. Die unterschiedliche Höhe hilft dir, die Rolle der Halle im früheren Kurzentrum zu erkennen.
  3. Vor dem historischen Wellenbad. Suche von den öffentlich zugänglichen Wegen einen schrägen Blick auf Dach und Stützen. Vergleiche anschließend die landseitige und die strandseitige Ansicht, soweit der Zugang es zulässt.
  4. Am späteren Anbau. Vergleiche seine Form mit der alten Halle. Danach kannst du auf der Promenade zu den Fernblickhäusern weitergehen oder am Strand zurück Richtung Siedlung spazieren.

Für eine größere Runde steht der Architekturspaziergang durch Burgtiefe mit fünf Stationen bereit.

Urlaub in der Arne-Jacobsen-Siedlung

Wenn dich diese Architektur interessiert, kannst du deinen Urlaub mitten in ihrem Umfeld verbringen. Unsere beiden Ferienwohnungen liegen in der Arne-Jacobsen-Siedlung zwischen Südstrand und Yachthafen. Zum FehMare gehst du von hier aus zu Fuß.

Auf der Seite Wohnen mit Arne Jacobsen steht, wie ich seine Designideen bei der Einrichtung der Zweiten Liebe aufgegriffen habe. Alle Gebäude des Ensembles sammelt die Übersicht Arne Jacobsen auf Fehmarn.

Oder sieh direkt nach, wann frei ist.

Häufige Fragen zum FehMare und zu Arne Jacobsen

Hat Arne Jacobsen das FehMare entworfen?

Das historische Meerwasserwellenbad geht auf Arne Jacobsen und Otto Weitling zurück. Der spätere FehMare-Anbau wurde von Geising + Böker entworfen.

Wann wurde das Meerwasserwellenbad gebaut?

Die historische Halle entstand 1971 bis 1972. Das erweiterte FehMare eröffnete 2009.

Kann ich die Architektur auch ohne Badebesuch ansehen?

Ja. Dachform und Fassaden lassen sich von den öffentlich zugänglichen Wegen im Umfeld betrachten. Für den Zugang zum Bad gelten die Bedingungen des Betreibers.

Gehört das Wellenbad zur Arne-Jacobsen-Siedlung?

Es gehört zum übergreifenden Ensemble des Ostseeheilbads Burgtiefe. Die Wohnsiedlung im Westen und das frühere Kurzentrum sind unterschiedliche Teile dieser Gesamtanlage.

Quellen

  • Stadt Fehmarn und BIG Städtebau, Projektseite Burgtiefe, Abschnitt Meerwasserwellenbad – Bauzeit 1971 bis 1972 und der Planungsstand zur Sanierung.
  • Astrid Hansen, Das Ostsee-Heilbad Arne Jacobsens in Burgtiefe auf Fehmarn, in: Die Denkmalpflege 1/2005 – Wettbewerb, Tragwerk und Glasfassade.
  • Arne Jacobsen Design, Complete works, Eintrag 1972 zu Fehmarn – Wettbewerb 1965, Otto Weitling, Fertigstellung durch Dissing + Weitling.
  • Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, Öffentliche Benachrichtigung Ostseeheilbad Burgtiefe – Sachgesamtheit und Schutzumfang, Abbruch des Kurmittelhauses 2008.
  • Geising + Böker, Projekt FehMare – der Erweiterungsentwurf und seine Verbindung zum historischen Wellenbad.
  • Fehmarn24, „Ein neuer Ort zum Wohlfühlen: Das FehMare ist eröffnet“ (2009) – zeitgenössischer Eröffnungsbericht.
  • Tourismus-Service Fehmarn, Arne Jacobsen auf Fehmarn – Beginn des Denkmalschutzes für das Wellenbad 1991.
  • fehmare.de – Adresse, Badeangebote, Preise und Öffnungszeiten.

Angaben ohne Gewähr. Stand: Oktober 2026. Zum Ensembleschutz nennen öffentliche Darstellungen unterschiedliche Jahreszahlen; dieser Text trennt deshalb Einzeldenkmal und Sachgesamtheit. Preise und Öffnungszeiten des FehMare stehen hier bewusst nicht.