Arne Jacobsen auf Fehmarn
Die Fernblickhäuser in Burgtiefe
Wie aus Jacobsens niedrigen Hotelbauten drei Türme am Südstrand wurden
Wer über die Strandallee nach Burgtiefe fährt, sieht sie lange, bevor das Meer auftaucht: drei helle Türme mit 17 Geschossen, mitten auf der flachen Halbinsel. Für viele Gäste sind die Fernblickhäuser das Erkennungszeichen des Südstrands, für manche Fehmaraner sind sie bis heute ein Fremdkörper. Beides gehört zu ihrer Geschichte.
Dass die Türme so hoch sind, war ursprünglich nicht vorgesehen. Im Wettbewerbsentwurf von Arne Jacobsen und Otto Weitling standen an dieser Stelle drei deutlich niedrigere Häuser mit rund vier Geschossen. Hier steht, wie daraus die heutigen Hochhäuser wurden, was ihre Architektur ausmacht, warum sie unter Denkmalschutz stehen und was gerade mit ihnen passiert.

Die Fernblickhäuser auf einen Blick
- Lage – im östlichen Teil von Burgtiefe, direkt an der Südstrandpromenade.
- Entwurf – Arne Jacobsen und Otto Weitling. Nach Jacobsens Tod 1971 führten Weitling und Hans Dissing die laufenden Projekte weiter.
- Planung und Bau – Wettbewerb 1965, Baubeginn auf der Halbinsel 1966, Fertigstellung des Ensembles Anfang der 1970er-Jahre.
- Gestalt – drei Punkthochhäuser mit 17 Geschossen auf Y-förmigem Grundriss. Geplant waren rund vier Geschosse.
- Nutzung heute – Hotelzimmer und Apartments des IFA Fehmarn Hotel & Ferien-Centrum.
- Denkmalschutz – seit Ende 2015 Teil der geschützten Sachgesamtheit „Ostseeheilbad Burgtiefe“.
- Besuch – von außen jederzeit über die Promenade. Die Zimmer sind Hotelgästen vorbehalten.
Ein Seebad aus einem Guss
Die Geschichte der Türme beginnt mit einer Brücke. 1963 wurde die Fehmarnsundbrücke eröffnet, und mit der festen Verbindung zum Festland stiegen die Gästezahlen. Überall an der schleswig-holsteinischen Ostsee entstanden damals neue Ferienzentren. Die Gemeinde Burg wollte die Halbinsel Burgtiefe mit ihrem nach Süden ausgerichteten Strand zu einem modernen Seebad machen.
1965 wurde dafür ein öffentlicher Ideenwettbewerb ausgelobt, zusammen mit einem Bauwettbewerb für das Haus des Gastes als ersten Bauabschnitt. Den Vorsitz im Preisgericht hatte Egon Eiermann, einer der bekanntesten Architekten der deutschen Nachkriegsmoderne. Die Jury hatte zunächst drei erste Plätze und eine weiter ausgearbeitete Planung empfohlen; am Ende ging der alleinige erste Preis an die Dänen Arne Jacobsen und Otto Weitling.
Ihr Plan sah keine Ansammlung einzelner Gebäude vor, sondern ein zusammenhängendes Seebad. Die Halbinsel wurde nach der Intensität der Nutzung gegliedert: die belebten Bereiche nahe der Zufahrt, die ruhigen Wohnbereiche weiter außen. Dazwischen sollte ein Zentrum wie eine Promenade Kureinrichtungen, Hotels und einen Festplatz verbinden, mit dem Meerwasser-Wellenbad als architektonischem Höhepunkt.
Der erste Plan: niedrige Häuser zwischen Dünen und Meer
Für den Hotelbereich im Osten der Halbinsel entwarfen Jacobsen und Weitling drei Gebäude auf dreiflügeligem, Y-förmigem Grundriss. Sie sollten nur etwa vier Geschosse hoch werden, dazwischen waren trapezförmige Pavillons mit Sonnenterrassen vorgesehen. Die Architektur sollte sich der Landschaft unterordnen und freie Blicke in die Umgebung lassen; Mittelpunkt der Anlage war das Haus des Gastes.
Wie dieses Haus aussieht und was aus ihm werden soll, steht unter Das Haus des Gastes in Burgtiefe.
Der Grundgedanke war eine Abkehr von der verschlossenen Hotelarchitektur, wie man sie aus älteren Seebädern kannte. Nicht der Palast am Strand stand im Mittelpunkt, sondern ein Ferienort mit Wegen, Plätzen und gemeinsamen Erlebnissen.

Aus vier werden siebzehn Geschosse
Bei der Umsetzung veränderte sich der Plan an seiner sichtbarsten Stelle. Die Bauherrenseite drängte mit Verweis auf die Wirtschaftlichkeit auf mehr Fläche und mehr Zimmer. Statt drei niedriger Y-Häuser entstanden drei Türme mit 17 Geschossen. Die Grundform blieb, die Wirkung auf die Halbinsel änderte sich grundlegend.
Die Quellen gewichten die Gründe unterschiedlich: Die Vorbereitenden Untersuchungen der Stadt nennen neben wirtschaftlichen Erwägungen das wachsende Tourismusaufkommen und veränderte städtebauliche Ziele, der Tourismus-Service spricht vom steigenden Raumbedarf, Architekturjournalisten vom Druck des Baukonsortiums. Im Kern sind sich alle einig: Die Höhe war eine Vorgabe der Auftraggeber, kein Wunsch der Architekten.
Die Türme waren nicht die einzige Änderung. Insgesamt entstanden deutlich mehr Wohnungen als geplant. Statt einer sternförmigen Wohnsiedlung wurden im Westen je neun drei- und fünfgeschossige Apartmenthäuser gebaut. Eine Campingzone am Yachthafen und ein ruhiger, dorfartiger Bereich mit Familienhäusern blieben Papier; die geplante Bebauung am Sahrensdorfer Binnensee im Osten wurde aus ökologischen Gründen nicht umgesetzt.
Und Arne Jacobsen?
Trotz der Änderung tragen die Türme die Handschrift des Büros. Der Y-Grundriss blieb erhalten, und Architekturdokumentationen ordnen die Hochhäuser mit ihren Pavillons weiterhin Jacobsen und Weitling zu. Sie gelten als Teil von Jacobsens Spätwerk und als sein einziges realisiertes Projekt in Schleswig-Holstein.
Wie Jacobsen selbst die Hochhausfassung bewertete, ist weniger gut belegt. Nach den Unterlagen der Stadt begleitete er die Bauphase nicht mehr; einer neueren Architekturdarstellung zufolge distanzierte er sich vom Projekt. Sicher ist: Jacobsen starb im März 1971, bevor das Seebad fertig war. Otto Weitling und Hans Dissing führten die Arbeit fort.
Was die Architektur der Türme ausmacht
Der Y-Grundriss
Jeder Turm besteht aus drei Flügeln, die von einem gemeinsamen Kern ausgehen. Aus der Nähe erinnert die Form an eine große Skulptur, auf alten Grundrissplänen manche Betrachter an einen Flügelschlag. Pro Etage gibt es neun Zimmer, und alle haben Meerblick.

Zwei Gesichter: geschlossen zum Land, offen zum Meer
Nach Norden zeigen die Türme überwiegend geschlossene Fassaden aus Sichtbetonelementen. Zur Ostsee öffnen sie sich mit einem gleichmäßigen Raster aus Balkonen. Wer über die Strandallee ankommt, sieht deshalb ganz andere Gebäude als jemand, der am Strand liegt: Von der Landseite wirken die Türme verschlossen und streng, von der Seeseite fast leicht.
Lamellen, Balkone und Rhythmus
Ein besonderes Detail sind die von Hand verstellbaren Lamellen an den Balkonen. Je nachdem, wie die Gäste sie stellen, öffnen sie den Blick aufs Meer oder schließen den Balkon ab – und die Fassade verändert ständig ihr Bild. Nach mehreren Umbauten sind Originalelemente wie Lamellen, Geländer, Türgriffe und Farbgebung erhalten oder originalgetreu wiederhergestellt worden.
Was zwischen den Türmen geplant war
Die drei Türme sollten durch flache Pavillons verbunden werden: Stahlkonstruktionen mit Flachdach auf trapezförmigem Grundriss. Luftbilder kurz nach der Fertigstellung zeigen die Sonnenterrassen zwischen den Häusern noch deutlich. Das Erdgeschoss war als offener, belebter Bereich gedacht, nicht als geschlossener Hotelsockel.
Wie sich die Anlage verändert hat
Ende der 1980er-Jahre kam das Vitarium hinzu, ein verglaster Wintergarten, der das Erdgeschoss der Türme umschließt. Hier liegen heute Restaurants, Bars, Läden und Angebote für Kinder. Architekturkritiker sehen darin den deutlichsten Eingriff in den ursprünglichen Gedanken: Statt offener Terrassen entstand ein gläserner Schaukasten.
Auch im Umfeld hat sich einiges verändert. Das Kurmittelhaus zwischen Meerwasser-Wellenbad und Türmen wurde 2008 abgerissen, und 2009 eröffnete die Erweiterung des Bades zum heutigen FehMare. Auch die Erdgeschosszone der Hochhäuser wurde in dieser Zeit umgestaltet. Trotzdem ist die Anlage als Ganzes in ihrer Entstehungszeit gut ablesbar geblieben.
In den Zimmern selbst sucht man Jacobsens Möbelklassiker vergeblich. Die Architektur stammt von ihm, die Einrichtung war von Anfang an pragmatisch. Wer Jacobsens Design im Urlaub erleben möchte, findet unter Wohnen mit Arne Jacobsen Ideen dafür.
Denkmalschutz: Warum die Türme dazugehören
Häufig liest man, das gesamte Ensemble stehe seit 2004 unter Denkmalschutz. Nach den Unterlagen der Stadt wurde 2004 zunächst das Haus des Gastes ins Denkmalbuch eingetragen, das Meerwasser-Wellenbad war schon früher geschützt. Die Gesamtanlage einschließlich der Fernblickhäuser steht seit Ende 2015 als Sachgesamtheit „Ostseeheilbad Burgtiefe“ unter Schutz. Möglich wurde das durch eine Novelle des schleswig-holsteinischen Denkmalschutzgesetzes.
Zur Sachgesamtheit gehören neben dem IFA-Ferienkomplex mit den drei Türmen das Wellenbad, das Haus des Gastes, die Burgruine Glambek, die Häuser der Arne-Jacobsen-Siedlung und die Bronzeplastik „Mädchen am Südstrand“. Geschützt ist damit das gebaute Seebad, wie es Anfang der 1970er-Jahre entstand – einschließlich der Türme, die vom ersten Entwurf abweichen.
Der Schutz bezieht sich vor allem auf die äußere Gebäudehülle; spätere Veränderungen sind ausdrücklich nicht Teil des Denkmals. Auch in der Stadtplanung spielen die Türme eine Rolle: Die Sichtachse auf die Fernblickhäuser als erster Eindruck bei der Ankunft soll frei bleiben.
Die Fernblickhäuser heute
Ein Hotel mit Blick aufs Meer
Heute gehören die Türme zum IFA Fehmarn Hotel & Ferien-Centrum, betrieben unter der Marke IFA by Lopesan Hotels. In den Fernblickhäusern gibt es Hotelzimmer und Apartments mit Balkon und kleiner Küchenzeile. Nach dem Bebauungsplan ist im Bereich der Türme Dauerwohnen nicht zulässig; sie bleiben also Urlaubsquartier.
Modernisierung im laufenden Betrieb
Derzeit wird die Anlage umfassend modernisiert. Rezeption, Lobby und weitere öffentliche Bereiche waren nach Angaben des Betreibers im Mai 2026 bereits neu gestaltet, mit hellen Hölzern, natürlichen Materialien und warmen Farbakzenten. Die Fernblickhäuser und danach das Apartmenthaus Vitamar sollen nacheinander folgen; der Betreiber beruft sich dabei auf das Prinzip des Weiterbauens am Bestand.
Im Sommer sind keine störenden Arbeiten vorgesehen; die nächste Bauphase sollte nach Angaben vom Mai 2026 Ende Herbst 2026 beginnen. Wer in der kühleren Jahreszeit an den Südstrand kommt, kann also auf Bauarbeiten an einzelnen Bereichen treffen. Aktuelle Informationen gibt das Hotel selbst (ifa-fehmarn.de) – dieser Abschnitt ist naturgemäß schnell veraltet.
Teil der Sanierung von Burgtiefe
Burgtiefe ist seit Ende 2014 in der Städtebauförderung und heute förmliches Sanierungsgebiet. Das fortgeschriebene Entwicklungskonzept der Stadt nennt die Modernisierung der denkmalgeschützten Fernblickhäuser als eigene Maßnahme, einschließlich vorbereitender Gutachten und eines Sanierungskonzepts. Weil die Türme das Bild von Burgtiefe so stark prägen, empfiehlt die Stadt eine enge Zusammenarbeit mit dem Hotelbetreiber. Die Sanierung des Gebiets ist bis Oktober 2032 angelegt.
Geliebt, umstritten, geschützt
Kaum ein Bau auf Fehmarn spaltet so sehr. Für Kritiker sind die Türme zu hoch und zu dominant, ein Bruch mit dem leisen Rest der Anlage. Für viele Gäste ist gerade der Blick aus den oberen Etagen der Grund, hier Urlaub zu machen. Und für die Denkmalpflege sind sie ein Zeugnis dafür, wie in den 1960er- und 1970er-Jahren Ferienorte an der Ostsee gedacht und gebaut wurden.
Vielleicht liegt der Reiz genau in diesem Widerspruch. Die Fernblickhäuser zeigen Jacobsens Formensprache und zugleich, wie Planung unter wirtschaftlichem Druck entsteht. Wer das weiß, schaut anders auf die drei Türme am Horizont.
So erlebst du die Türme vor Ort
Am besten wirken die Fernblickhäuser im Wechsel der Perspektiven. Vom Strand aus siehst du die Balkonraster und Lamellen, von der Strandallee und vom Parkplatz die geschlossene Nordseite. Mit Abstand – etwa vom Yachthafen oder vom Hafen Burgstaaken auf der anderen Seite des Burger Binnensees – werden sie zur Silhouette über der Halbinsel.
Mein Tipp: Stell dich auf der Promenade einmal schräg zu einem Turm. So erkennst du mehrere Flügel gleichzeitig und verstehst den Y-Grundriss ohne Plan.
Unser Architekturspaziergang durch Burgtiefe führt dich mit fünf Stationen vom Haus des Gastes über das Wellenbad bis zu den Türmen und zurück in die Siedlung.

Häufige Fragen zu den Fernblickhäusern
Hat Arne Jacobsen die Fernblickhäuser entworfen?
Ja. Die Türme gehen auf den Entwurf von Arne Jacobsen und Otto Weitling zurück, auch der Y-förmige Grundriss stammt von ihnen. Die Höhe von 17 Geschossen entstand jedoch erst auf Drängen der Bauherrenseite – geplant waren rund vier Geschosse.
Warum sind die Türme so hoch?
Die Auftraggeber wollten mehr Zimmer unterbringen. Genannt werden wirtschaftliche Gründe, das wachsende Tourismusaufkommen und veränderte städtebauliche Ziele. Von den Architekten kam die Höhe nicht.
Stehen die Fernblickhäuser unter Denkmalschutz?
Ja. Sie gehören seit Ende 2015 zur Sachgesamtheit „Ostseeheilbad Burgtiefe“. Geschützt ist vor allem die äußere Gestalt; spätere Anbauten zählen nicht dazu.
Kann man die Fernblickhäuser besichtigen?
Von außen jederzeit über die Südstrandpromenade. Die Zimmer und Apartments sind Hotelgästen vorbehalten. Gastronomie und Läden im Erdgeschoss richten sich nach den jeweiligen Öffnungszeiten.
Werden die Fernblickhäuser gerade saniert?
Ja, die Anlage wird schrittweise im laufenden Betrieb modernisiert. Die nächste Bauphase war für Ende Herbst 2026 angekündigt. Den aktuellen Stand erfragt ihr am besten beim Hotel.
Wie komme ich von der Arne-Jacobsen-Siedlung zu den Türmen?
Zu Fuß über die Südstrandpromenade nach Osten, vorbei am Haus des Gastes und am FehMare. Die Siedlung im Westen und die Türme im Osten gehören zum selben Entwurf – mehr dazu auf unserer Seite zur Arne-Jacobsen-Siedlung.
Wohnen im leiseren Teil des Entwurfs
Unsere beiden Ferienwohnungen liegen im westlichen Teil des Seebads, in der Arne-Jacobsen-Siedlung zwischen Yachthafen und Südstrand. Von dort sind die Fernblickhäuser ein Spaziergang über die Promenade entfernt, und abends bist du wieder zurück zwischen den flachen Bungalows und Apartmenthäusern im ruhigen Westteil der Anlage.
Oder sieh direkt nach, wann frei ist.
Quellen
- Stadt Fehmarn und complan, Vorbereitende Untersuchungen Burgtiefe (2017) – Wettbewerb, erster Entwurf, Planänderungen, Vitarium, Denkmalschutz.
- Stadt Fehmarn, 1. Fortschreibung des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (2024) – Maßnahme zu den Fernblickhäusern, Sanierungsfrist.
- Stadt Fehmarn, Informationen zum Sanierungsgebiet Burgtiefe – Sachgesamtheit „Ostseeheilbad Burgtiefe“, Sichtachse.
- Tourismus-Service Fehmarn, Arne Jacobsen – Baubeginn, ursprüngliche Geschosszahl, neun Zimmer pro Etage.
- THE LINK, „Die Krone der Insel“ (2018) – Preisgericht, Pavillons, Vitarium, Lamellen.
- SOS Brutalism, IFA-Hochhäuser mit Pavillons – Y-Grundriss, Nord- und Südfassade, Spätwerk.
- Urlaubsarchitektur, „50 Jahre Burgtiefe“ (2022) – Wahrnehmung auf der Insel.
- Mitteilungen des Betreibers zur Modernisierung, Mai 2026.
Angaben ohne Gewähr. Stand: Oktober 2026. Wo sich Quellen widersprechen – vor allem beim Datum des Denkmalschutzes – folgt dieser Text den Unterlagen der Stadt Fehmarn. Zimmerzahlen, Höhenangaben und Preise stehen hier bewusst nicht.