Ferienwohnung am Südstrand Fehmarn

Eingerichtet im Geist von Arne Jacobsen

Das Haus ist von Arne Jacobsen. Das ist keine Werbung, das steht im Denkmalbuch. Die Möbel darin sind nicht von ihm, sondern von zwei Leuten, die ihn mögen: von Enno und mir.

Wer in einem Bau von Arne Jacobsen übernachten möchte, kann das am Südstrand von Fehmarn tun – in der ZweiteLiebe, im Erdgeschoss der Siedlung, die er entworfen hat.

Schwarzer Sessel als Replik von Arne Jacobsens Egg Chair am Fenster der ZweiteLiebe.
Schwarzer Sessel als Replik von Arne Jacobsens Egg Chair am Fenster der ZweiteLiebe.

Angefangen hat alles mit fünf Stühlen

Serie 7, Esche, schwarz lasiert. Jacobsen hat den Stuhl 1955 entworfen, Formsperrholz in zwei Richtungen gebogen, und es war der erste Klassiker von ihm, den ich überhaupt kennengelernt habe. Für mich ist dieser Stuhl Arne Jacobsen.

Vier stehen am Esstisch, der fünfte nebenan am Schreibtisch. Geholt habe ich sie selbst, aus einer Designmöbelausstellung in Karlsruhe, und im Auto mitgenommen. Sie standen fest, bevor sonst irgendetwas feststand, und sie sind bis heute die einzigen Stücke in der Wohnung, die aus der richtigen Werkstatt kommen. Alles andere hat sich um sie herum angeordnet.

Enno und eine sehr lange Liste

Enno ist ein Freund von mir und mindestens so sehr Jacobsen-Fan wie ich. Eingerichtet haben wir die Wohnung gemeinsam, und es war weniger ein Einkauf als eine Recherche. Wochen im Internet, Quelle für Quelle, Stück für Stück, Diskussionen darüber, was zusammenpasst und was nur teuer aussieht.

Herausgekommen ist keine Sammlung, sondern ein Raum, in dem die Dinge miteinander können.

Die dänische Spur

Im Wohnraum steht der Ei-Sessel, Jacobsens Entwurf von 1958. Dahinter, als Leselampe, die AJ-Stehleuchte in Schwarz. Nebenan am Schreibtisch trifft der fünfte Serie 7 auf die schwarze AJ-Tischleuchte – die einzige Ecke der Wohnung, in der alles von derselben Hand stammt. Neben den Betten stehen zwei weiße AJ-Tischleuchten.

Die AJ-Serie hat Jacobsen 1957 für das SAS Royal Hotel in Kopenhagen entworfen, zusammen mit dem Ei-Sessel und dem Haus drumherum, bis hinunter zum Besteck. Genau dieser Anspruch, ein Gebäude bis zur Nachttischlampe durchzudenken, steckt auch in der Siedlung vor dem Fenster.

Bis auf die fünf Stühle sind diese Stücke Nachbauten. Was davon echt ist, steht weiter unten in einer Tabelle.

Arne Jacobsen Stühle Serie 7 Fritz Hansen mit einer Replik des Tulpentisches und PH5 Lampe
Arne Jacobsen Stühle Serie 7 Fritz Hansen mit einer Replik des Tulpentisches und PH5 Lampe

Zwei, die nicht nach Dänemark gehören

Neben den Betten stehen zwei kleine Beistelltische aus Chrom mit Glasplatte, höhenverstellbar. Der Entwurf ist von Eileen Gray, 1927, für ihr Haus E-1027 an der französischen Küste. Weder dänisch noch Mid-Century, und trotzdem passt er hierher.

Genauso der Tulip Table. Eero Saarinen wollte 1956 die Beine unter Tischen und Stühlen loswerden, weil ihn das Gewirr darunter störte. Ein Fuß, fertig.

Beide Stücke sind Nachbauten, und beide sind Entscheidungen. Sie sind der Grund, warum die Wohnung nicht wie ein bestellter Look aussieht.

Ein Sofa, das nichts vorgibt

Sofa und Hocker kommen aus der IKEA-Serie STOCKHOLM. Die gibt es seit 1985, entworfen haben sie Karin Mobring und Tomas Jelinek, im Katalog von 1986 lief sie unter „New Classics“ und war als Hommage an die schwedische und mitteleuropäische Möbeltradition gedacht. Jelinek hat damals gesagt, die Serie solle sich ihrer Umgebung unterordnen und mit dem harmonieren, was schon im Raum steht.

Das tut sie hier. Und nebenbei ist das cognacfarbene Ledersofa das ehrlichste Möbel der Wohnung, weil es genau das ist, was draufsteht.

Die Bilder an den Wänden

Die Drucke stammen von Bo Lundberg, einem schwedischen Illustrator, dessen Motive aussehen wie Reiseplakate aus derselben Zeit, in der diese Siedlung gebaut wurde.

Im Wohnraum hängen sie nach Farben sortiert. Kiel und Hamburg, beides Wassermotive, vor der blauen Wand. Berlin und Frankfurt dort, wo das Cognac des Sofas sie aufnimmt. Stockholm hängt beim Esstisch, bei den Serie-7-Stühlen, wo es hingehört.

Mein Lieblingsbild ist ein anderes: ein alter Bulli mit Surfbrett. Für mich ist das Fehmarn in einem Bild – Wasser, Wind, Sport und Strand. Einmal im Jahr ist Bullitreffen auf der Insel, dann steht das Motiv draußen hundertfach auf dem Parkplatz.

Gerahmte Grafik eines grünen Campingbusses vor einer orangefarbenen Sonne im Kinderzimmer der ZweiteLiebe.
Bo Lundberg Grafik eines grünen Campingbusses vor einer orangefarbenen Sonne in der ZweiteLiebe.

Die Küche, in der das Design verloren hat

Wir wollten eine grifflose Küche. So wie in den Siebzigern, so wie es zum Haus gepasst hätte. Wir haben lange darüber geredet, und am Ende hat die Praxis gewonnen: mehr Stauraum, leichter zugänglich, besser für zwei Wochen Selbstversorgung.

Die Küche ist deshalb bewusst schlicht geblieben. Sie ist das eine Zimmer, in dem wir uns gegen die reine Lehre entschieden haben, und ich würde es wieder so machen.

Die Platten

Der Plattenspieler steht im Wohnraum, die Platten daneben. Gespendet hat sie ein Freund von Enno, aus der Auflösung einer alten Sammlung. Sie hatten also schon ein Leben, bevor sie hierhergekommen sind.

Wenn du eigene Platten mitbringst und eine dalässt, freue ich mich.

Plattenspieler im Wohnraum der ZweiteLiebe mit aufgelegter Schallplatte
Der Plattenspieler fügt sich in den Stil des Raumes ein

Was echt ist und was Nachbau

Ich schreibe das hin, weil ich es an deiner Stelle wissen wollen würde – und zwar vor der Buchung und nicht danach.

StückEntwurfJahrStatus
Fünf Stühle Serie 7, Esche schwarz lasiert – vier am Esstisch, einer am SchreibtischArne Jacobsen1955Original
Ei-SesselArne Jacobsen1958Nachbau
Stehleuchte AJ, schwarzArne Jacobsen1957Nachbau
Tischleuchte AJ, schwarz, am SchreibtischArne Jacobsen1957Nachbau
Zwei Tischleuchten AJ, weiß, neben den BettenArne Jacobsen1957Nachbau
Pendelleuchte PH 5, schwarz-weißPoul Henningsen1958Nachbau
Zwei Beistelltische E-1027Eileen Gray1927Nachbau
Tulip TableEero Saarinen1956Nachbau
Sofa und Hocker STOCKHOLMKarin Mobring und Tomas Jelinek für IKEASerie seit 1985Originalprodukt
Das GebäudeArne Jacobsen und Otto Weitling1966 bis 1973Original, denkmalgeschützt

Das Original in dieser Wohnung ist das Haus. Die Möbel sind Verbeugungen davor, bis auf fünf Stühle.

Die Lampe, die in beiden Wohnungen hängt

Über dem Esstisch hängt die PH 5. Sie ist nicht von Jacobsen, sondern von Poul Henningsen, 1958, und sie ist mein Lieblingsstück.

Man merkt es abends, wenn man darunter sitzt. Hell genug zum Lesen, warm genug, um sitzen zu bleiben, und nichts sticht. Man sieht das Leuchtmittel nicht, aus keinem Blickwinkel, egal wie tief man sich auf dem Stuhl zurücklehnt.

Das ist kein Zufall, sondern der Kern des Entwurfs. Henningsen hat schon in den Zwanzigern ein System aus drei Schirmen entwickelt, die so übereinanderliegen, dass das Leuchtmittel vollständig verschwindet. Der größte Teil des Lichts geht nach unten auf den Tisch. Der obere Schirm ist trompetenförmig geöffnet und lässt einen Teil zur Seite entweichen, sodass die Lampe nicht als heller Fleck vor einem dunklen Raum hängt, sondern sich und ihre Umgebung gleich mitbeleuchtet. Genau daher kommt das Wohnliche.

Der Name ist nüchterner, als man denkt: Der obere Schirm misst 50 Zentimeter, daraus wurde die 5.

Im Inneren der klassischen Ausführung sitzen ein roter Kegel und ein kleiner blauer Reflektor. Henningsen hat sie eingebaut, um das Licht dort anzureichern, wo das Auge am schlechtesten sieht – im Roten und im Blauen – und es im gelbgrünen Bereich zu dämpfen, in dem es am empfindlichsten ist. Deshalb wirken Farben unter dieser Lampe richtiger als unter anderen. In neueren Ausführungen sind die farbigen Teile weggefallen, weil heutige Leuchtmittel das Tageslicht ohnehin besser treffen.

Entstanden ist die Lampe übrigens aus Ärger. Henningsen hatte die Hoffnung aufgegeben, dass die Glühbirnenhersteller sich jemals auf Formen und Größen einigen würden, und baute daraufhin eine Leuchte, der das egal ist. Ob Christbaumkerze oder 100-Watt-Birne, sie funktioniert mit allem.

Unsere sind Nachbauten. Das Prinzip funktioniert trotzdem, und für mich macht diese Lampe mehr für das skandinavische Gefühl in einem Raum als jedes Möbelstück.

Replik der PH 5 Lampe von Poul Henningsen in der Meerzeitliebe
Replik der PH 5 Lampe von Poul Henningsen in der Meerzeitliebe

Und die Meerzeitliebe?

Dieselbe Lampe hängt dort in einer anderen Farbe: weiß, mit einem orangefarbenen Schirm. Sonst kommt dort kein Orange vor, die ganze Wohnung ist in Sand- und Holztönen gehalten. Genau deshalb funktioniert es – ein einziger warmer Punkt über dem Esstisch, der nicht laut wird und dem Raum trotzdem die Richtung gibt.

Die Meerzeitliebe ist keine abgespeckte Version, sondern eine eigene Idee: skandinavisch und hyggelig, dazu ein Panoramafenster mit der Ostsee dahinter. Wer den Blick will, nimmt die Meerzeitliebe. Wer die Möbel will, die ZweiteLiebe.

Gut zu wissen

Häufige Fragen

Die Fragen, die vor fast jeder Buchung kommen – hier schon beantwortet.

Sind die Möbel Originale?

Die fünf Stühle Serie 7 ja. Der Rest sind Nachbauten. Die vollständige Aufstellung steht oben in der Tabelle.

Darf man die Sachen benutzen?

Ja, alles. Das ist eine Ferienwohnung und kein Museum. Kinder dürfen auf dem Ei-Sessel sitzen, und Gebrauchsspuren gehören dazu.

Stehen die Stücke auch in der Meerzeitliebe?

Dort hängt die PH 5. Alles andere steht in der ZweiteLiebe.

Kann man die Wohnung ansehen, ohne zu übernachten?

Zwischen zwei Buchungen manchmal. Frag einfach.

Selbst darin sitzen

Die Wohnung lässt sich nicht besichtigen wie ein Museum, aber bewohnen schon. Der Ei-Sessel steht am Fenster, die Platten liegen daneben, und abends brennt die PH 5 über dem Esstisch.