Architektur
Die Arne-Jacobsen-Siedlung in Burgtiefe
Arne Jacobsen war Däne, Architekt und Designer. Von ihm stammen der Ei-Sessel, der Schwan und der Ameisenstuhl – Möbel, die heute in Museen stehen und in Wohnzimmern. Am Südstrand von Fehmarn hat er eine ganze Feriensiedlung entworfen. Für das SAS Royal Hotel in Kopenhagen entwarf er beides – das Gebäude und große Teile der Einrichtung; Ei und Schwan sind für dieses Haus entstanden.
Seit 2015 steht das Ensemble unter Denkmalschutz. Nicht, weil es hübsch ist. Sondern weil es ein zusammenhängend gedachter Entwurf ist, von der Anordnung der Baukörper bis zur Ausrichtung der Fenster.
Von außen muss man das mögen
Zwei Gäste haben in ihren Bewertungen geschrieben, was viele denken: Die Gebäude entsprechen dem Zeitgeist ihrer Entstehung. Beton, klare Kanten, kein Reetdach, keine Rosen am Zaun. Beide haben trotzdem fünf Sterne gegeben – aber die erste Reaktion war Skepsis.
Deshalb steht es hier und nicht im Kleingedruckten. Wer eine Ostsee-Idylle aus dem Katalog erwartet, wird beim Ankommen überrascht. Wer weiß, dass er in einem denkmalgeschützten Jacobsen-Ensemble wohnt, sieht Architektur.


Von innen merkt man, warum
Die Wohnungen sind nach Süden ausgerichtet. Die Fenster sitzen dort, wo nachmittags das Licht hereinfällt, nicht dort, wo sie in eine Fassade passen. Der Grundriss trennt Schlafen, Kochen und Wohnen – in einer Ferienwohnung von 49 Quadratmetern ist das nicht selbstverständlich.
In der ZweiteLiebe habe ich das aufgenommen: originale Stühle Serie 7 von Arne Jacobsen am Esstisch und am Schreibtisch, dazu ein Ei-Sessel als Nachbau und Grafiken von Bo Lundberg. Nicht als Museum. Man darf sich hineinsetzen.
Architektur, in der man wohnen kann, statt sie zu besichtigen. Wie die Wohnung eingerichtet ist und was daran echt ist, steht auf einer eigenen Seite: Wohnen mit Arne Jacobsen.

Wie die Siedlung entstand
Die Arne-Jacobsen-Siedlung am Südstrand geht auf einen Architekturwettbewerb von 1965 zurück. Auf Initiative der damaligen Stadt Burg auf Fehmarn entwickelten die dänischen Architekten Arne Jacobsen und Otto Weitling das Konzept für ein modernes Ferienzentrum in Burgtiefe, das zwischen 1968 und 1972 entstand.
Die Idee war, Ferienwohnungen, Bungalows und Hotelbauten mit gemeinschaftlichen Einrichtungen zu verbinden – dem „Haus des Gastes“ und dem Meerwasser-Wellenbad. Architektur und Freiräume sollten sich an der Küstenlandschaft orientieren und Erholung am Meer mit gesellschaftlichem Leben zusammenbringen.
Aus der Vogelperspektive wird die besondere Anordnung der Arne-Jacobsen-Siedlung auf Fehmarn sichtbar: Bungalows und Appartementhäuser ziehen sich in sanft geschwungenen, wellenartigen Reihen um eine großzügige Grünfläche. Jacobsen und Weitling orientierten die Anlage bewusst an der Form der Halbinsel Burgtiefe. Vom Südstrand landeinwärts steigen die Gebäudehöhen von eingeschossigen Bungalows über drei- bis zu fünfgeschossigen Appartementhäusern an; Balkone und Terrassen sind weitgehend nach Süden ausgerichtet. So verbindet die Siedlung ihre klare, moderne Architektur mit den weichen Linien der Küstenlandschaft.


Was der Denkmalschutz bedeutet
Die Siedlung steht als Teil des Ensembles Burgtiefe unter Denkmalschutz. Bei den Ferienwohngebäuden ist das gesamte Äußere geschützt: Änderungen an Fenstern, Fassaden oder Balkonen brauchen eine denkmalrechtliche Genehmigung.
Die Einrichtung darf ich frei gestalten, und ich nutze das unterschiedlich. In der ZweiteLiebe greife ich mit dem Midcentury-Stil die Architektur auf – ein ruhiges, zusammenhängendes Bild, das auch heute modern wirkt. Die Meerzeitliebe ist hyggelig-skandinavisch eingerichtet: gemütlich, hell und einladend.
Die Möbel: was Original ist und was Replik
Ich schreibe das auf, weil der Unterschied im Preis liegt und in der Ehrlichkeit. Wer wegen der Möbel kommt, merkt es ohnehin.
Original in der ZweiteLiebe: die fünf Stühle Serie 7 von Arne Jacobsen – vier am Esstisch, einer am Schreibtisch.
Repliken, ebenfalls in der ZweiteLiebe: ein Ei-Sessel, eine PH 5 von Poul Henningsen in Schwarz-Weiß über dem Esstisch, ein Tulip Table nach Eero Saarinen sowie AJ-Leuchten als Nachttisch- und Schreibtischlampe. Die braune Ledercouch ist ein Klassiker, aber kein Entwurf von Jacobsen.
In der Meerzeitliebe: über dem Esstisch – auch er ein Tulip Table als Replik – hängt eine PH 5 in Weiß mit orangefarbenem Kern.

Häufige Fragen zur Siedlung
Kann man sich die Siedlung ansehen, ohne dort zu wohnen?
Ja. Das Gelände ist öffentlich zugänglich – Wiesen und Parkplätze gehören allerdings zu den Wohnhäusern. Zwischen den Gebäuden und auf der Wiese darf man sich aufhalten. Fotografieren ist erlaubt: die Siedlung als Ganzes ohne Weiteres, einzelne Wohnungen und Personen bitte nur mit Erlaubnis.
Was gehört außer den Wohnhäusern noch zum Ensemble?
Das Meerwasser-Wellenbad, das „Haus des Gastes“ und die drei 17-geschossigen Fernblickhäuser, heute als IFA-Hoteltürme bekannt. Jacobsen und Otto Weitling hatten die Türme ursprünglich mit vier Geschossen geplant; auf Wunsch der Auftraggeber wurden sie noch vor Baubeginn deutlich höher ausgeführt. Heute prägen sie die Silhouette von Burgtiefe.
Ist das FehMare das Meerwasser-Wellenbad von Jacobsen?
Ja. Das von Jacobsen und Weitling entworfene Bad ist heute Teil der Badewelt FehMare. Die Schwimmhalle von 1972 blieb erhalten und wurde durch einen modernen Anbau ergänzt – denkmalgeschützte Architektur und erweiterte Badelandschaft am selben Ort.
Merkt man als Gast etwas vom Denkmalschutz?
Draußen ja, an der Architektur und an der geschwungenen Anlage der Siedlung. Drinnen nicht: Die Wohnungen sind individuell eingerichtet – die ZweiteLiebe im Midcentury-Stil, die Meerzeitliebe hyggelig-skandinavisch.
Sind die Wohnungen noch im Originalzustand von 1972?
In den drei- und fünfgeschossigen Häusern stecken mehrere Hundert Wohnungen. Sie gehören verschiedenen Eigentümern und werden größtenteils privat vermietet – Ausstattung und Renovierungsstand unterscheiden sich entsprechend stark. Meine beiden sind modernisiert: die ZweiteLiebe 2024, die Meerzeitliebe 2026, beide mit neuer Einbauküche und eigener Einrichtung.
Selbst ansehen
Beide Wohnungen liegen in der Siedlung, an unterschiedlichen Straßen, wenige Gehminuten voneinander entfernt.